ARD-Film „Die Spätzünder“, Teil zwei : Hey, Alter, ihr hattet eure Zeit

Der Seniorenscherz mit Joachim Fuchsberger und Didi Hallervorden geht in die Verlängerung. Ganz an den Klischees kommt der Film nicht vorbei.

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Dieter Hallervorden und Bibiana Zeller.
Dieter Hallervorden und Bibiana Zeller.Foto: BR

Mensch, der Sido. Der Hip-Hopper, ausgerechnet, rettet den Alten ihren Lebensabend. Mit seinem Song „Der Himmel soll warten“ geht die Rentnerband Rocco & die Herzschrittmacher noch mal an den Start – und gewinnt.

Ein schönes Fernsehmärchen vom wohltätigen Miteinander der Generationen? Eine Fortsetzung zunächst. „Die Spätzünder“ waren 2010 ein Chartsstürmer. Mehr als acht Millionen haben eingeschaltet und miterlebt, wie die Alten aufbegehrten und mit dem (fragwürdigen) Ohrwurm „La la la la la Live is life“ gute Laune ins Publikum brachten.

Im Kino wäre das sofort in die Verlängerung gegangen, in der ARD dauerte es drei Jahre. Wieder nach dem Drehbuch von Uli Brée, wieder in der Regie von Wolfgang Murnberger, wieder mit Joachim Fuchsberger als knurrig-knorrigem Degenhard Schagowetz und Jan Josef Liefers als Rocco Siwak. Der Alte und der Junge sind die Dreh- und Angelpunkte der Geschichte.

Die Tourneen haben die Band ausgelaugt, das jüngste Mitglied ist jetzt 77. Geschlossen geht es in die Seniorenresidenz. Frontmann Rocco weiß mehr und zwei Wahrheiten: Mit dem Erfolg ist es rapide abwärtsgegangen, das Kapital der Band hat er durch wilde Spekulation auf null gebracht hat. Seine Lebensgefährtin Marina (Ursula Strauss), von der Stations- zur Heimleiterin aufgestiegen, hat er geschwängert.

Die Alten werden doof gehalten

Die ambitionierte Marina nervt alle. Jede Mahlzeit wird püriert serviert, damit sie durch Speiseröhre und Darm besser flutscht. Die alten Menschen werden behandelt wie kleine Kinder. Man bastelt, malt, es gibt diese unsagbar lustigen und therapeutisch wertvollen Gesellschaftsspiele – es herrscht der gutmeinende Terror des alles und alle Verstehens. Die Alten sind nicht doof, aber sie werden doof gehalten. Degenhard, Krakeeler und Widerborst, hat die Idee: Die Bewohner sollen das Heim kaufen, damit sie selbstbestimmt und mündig und wie Erwachsene leben können. Geld ist ja da. Eben nicht.

Nach zähem Hin und Her geht es ganz schnell. Marina wird Mutter, vorher reißt sie den zweifelnden Rocco für das „Herzschrittmacher“-Comeback mit, durch den Sido-Hit kommt die Kaufsumme in die Kasse, die frühere Heimleiterin und jetzige Heimaufsichtsbehördenchefin wird ausgetrickst. Und wenn „Die Spätzünder“ nicht gestorben sind, dann wird es auch Teil 3 geben ...

Das Thema Alter kommt in der Regel nur extrem in den Fernsehfilm. Entweder wird das Thema Nummer eins, Alzheimer, traktiert, oder es wird die Komödiennummer gefahren: Alter schützt vor Jugend und später Liebe nicht. „Die Spätzünder 2“ wollen lachen und ein bisschen Stirnrunzeln machen. Figuren und Situationen sind eindeutig aufgeladen, um sich in spaßigen Szenen und pointierten bis pointensüchtigen Sätzen zu entladen. Die Bodenhaftung geht in der Rock-’n’ -Roll-never-dies-Ansprache manchmal verloren. Wer früher stirbt, ist länger tot: Also schleicht sich Dieter, der frühere Gourmetkoch (Dieter Hallervorden), nachts in die Küche und zaubert ein frugales, kalorierenschweres Mahl. Wie früher, vor der Püree-Phase.

Die Klassiker des Seniorenresidenz-Milieus werden nicht ausgelassen. Aber nur wenig davon ist zum Augenverdrehen. Das hilft, weil die Geschichte arg dünn ist, nicht jedoch ihre Inszenierung. Das präsente Spiel der Truppe, angeführt vom 86-jährigen Joachim Fuchsberger, kann einnehmen. Sein wie der anderen – Bibiana Zeller, Hans Michael Rehberg – Auferweckungsstil hat Nuancen, er hat individuellen Witz, die Figuren schlüpfen schnell und behende aus der Schablone. Regisseur Wolfgang Murnberger zieht die Handlung in manche Klischee-Ecke zu viel, doch unterläuft ihm nicht der Fehler, die Sympathie-Düse bei den „Herzschrittmachern“ zu weit aufzudrehen.

Die Botschaft des Films wird wie in einer Bonbonniere überreicht: Bitte Senioren nicht klein- und gleichmachen, Respekt vor der Individualität, vor den jeweiligen Fertigkeiten und Eigenheiten. Da gehen Leben zu Ende, die reich waren und nicht plötzlich arm werden. „Alter, ihr hattet eure Zeit“, trompetet ein Jüngelchen. Er weiß nicht, dass er es in die Ohren von Elefanten trompetet.

„Die Spätzünder 2: Der Himmel soll warten“, ARD, Mittwoch, 20 Uhr 15

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