Medien : ARD: Legenden

Robert Bongen

Klischees sind es, die die Macher der ARD-Reihe "Legenden" interessieren. Denn "legendentauglich ist jede Person, zu der dem Mann oder der Frau auf der Straße ein Klischee einfällt", sagt ARD-Chefredakteur Hartmann von der Tann. Die vorhandenen Klischees wolle man erklären und dabei immer auch die anderen Seiten eines Menschen finden. Zum Beispiel bei Marilyn Monroe, mit der die dritte Staffel der Reihe heute beginnt (ARD, 21 Uhr 45).

Ulrike Brincker zeichnet den Weg des Waisenkinds Norma Jeane Baker zur platinblonden Kunstfigur Marilyn Monroe nach, die süchtig nach Anerkennung und Erfolg ist, aber auch verzweifelt auf der Suche nach Liebe und Zuneigung. Brincker lässt in ihrem Film eine Schulfreundin, Marilyns ersten Ehemann James Dougherty oder ihre Kollegin Jane Russel aus "Blondinen bevorzugt" zu Wort kommen - doch wirklich Neues über den "Mythos Monroe" erfahren wir dabei nicht. Eine Person ist "totgefilmt". So heißt dieses Phänomen in der Sprache der Filmemacher.

Ganz im Gegensatz dazu steht Michael Wulfes Dokumentation über Aufstieg und Fall des Diego Armando Maradona am kommenden Freitag. Dass der exzentrische Argentinier so offen und ehrlich über sein Leben spricht, führt Wulfes übrigens auf die große, blonde, spanische Dolmetscherin zurück, die ihm beim Interview zur Seite stand. Bis Maradona dazu allerdings erschien, vergingen zehn Stunden in einem Hotel in Buenos Aires. Doch das sei noch eine der geringsten Widrigkeiten, die man im Umgang mit lebenden Legenden gehabt habe, sagt Projektleiter Helfried Spitra vom WDR. "Tote Legenden sind die dankbareren", schmunzelt er. "Die stellen keine Bedingungen, auch wenn Archivmaterial immer teurer wird." So werden nun Pablo Picasso, Zarah Leander und Che Guevara zu "Legenden" im Ersten.

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