ARD : „Party war lange genug“

Was wird 2008? Sabine Christiansen feiert ihr TV-Comeback im Ersten.

Barbara Sichtermann
Christansen
Wissen jetzt schon mehr über das Jahr. Moderatorin Sabine Christiansen (li.) neben Modedesigner Wolfgang Joop und der Ex-Frau von...Foto: dpa

Jahresrückblicke sind wir gewohnt. Aber Jahresvorausschauen? Wer traut sich sowas? Sabine Christiansen kündigt zwar ihr („mein“) 2008 beherzt an, überlässt es aber lieber einem Reigen illustrer Gäste aus den unterschiedlichsten Prominenz-Regionen, die Zukunft zu deuten. Ein Jahr ist lang, da kann viel passieren, die beste Antwort auf diesen Umstand sind viele Gäste. Sie kommen vom Film (Bully Herbig), Fernsehen (Michael Mendl), aus der Politik (Jean-Claude Juncker), Wirtschaft (Dieter Zetsche), Mode (Wolfgang Joop) und aus dem Nirgendwo (Barbara Becker). Weil 2008 ein Super-Sportjahr wird, sind ein Dutzend Sportasse da. Sogar die Kanzlerin wird zugeschaltet. Sie lächelt und sagt: „Jedes Sportjahr hat seinen eigenen Charakter“ und von Fußball verstünde sie einiges. Günther Netzer kündigt an, dass er mit Gerhard Delling zusammenbleiben wird, und Franzi von Almsick freut sich, dass sie in China nicht mehr ins Wasser muss, sondern kommentieren darf. Übrigens dreht Bully Herbig einen Film, in dem es auch um körperliche Ertüchtigung geht: „Wicky und die starken Männer“. Es gibt noch ein ernstes Thema in Sachen Sport, Frau Christiansen packt es an: Doping. Die Sportasse gucken pikiert. Nein, sie selbst würden so was nicht machen, andere aber wohl. Sauberer Sport 2008? Hmm. Die Zukunft wird womöglich der Vergangenheit verdammt ähnlich sehen.

Und wie wird’s politisch zugehen? Merkel – als Zuschalte – wünscht sich, dass sie ihre Arbeit in Ruhe tun kann und dass sie auch was erreicht. Und Jean-Claude Juncker, der Europa-Mann aus Luxemburg, hofft, dass politische Sitzungen in Zukunft nicht mehr so elend lange dauern, weil, je länger sie dauern, desto weniger kommt dabei raus. Die Umwelt soll es auch besser haben. Michael Mendl schützt im Regenwald bedrohte Orang Utans. „Wir Menschen sind nur Gäste auf der Erde.“ Auch Daimler-Zetsche weiß, was die Stunde geschlagen hat. „Soweit es die Physik erlaubt“, sollen seine S- und E- und sonstwas-Klasse-Wagen mit weniger Sprit auskommen. „Wir müssen noch schneller weiter machen“, sagt er, aber „ökonomisch vernünftig“. Joop findet das auch. Er fährt Fahrrad. Nur so ist man, meint er, wirklich „mobil“.

Menscheln muss es natürlich in so einer Show unbedingt. Dafür eignen sich Promis nicht so richtig, weil sie irgendwie immer auf einem Sockel stehen, auch wenn sie gerne herumalbern wie Herbig oder zwinkern wie Juncker. Sie bleiben entrückt. Was tun? Bei „Mein 2008“ verfiel man auf Kinder. Die tollen auf der Bühne rum, machen Kunststücke (chinesischer Nationalzirkus), spielen als Wunderkinder Klavier, haben aber auch mal ein schweres Los. Ein kleiner Junge leidet unter Leukämie und kämpft gegen seine Krankheit, zwei Ärzte erklären, dass er das richtig macht. Krebs werde womöglich schon bald heilbar sein. Dr. Grönemeyer wirbt für ein Unterrichtsfach Gesundheit und tägliche Sportstunden. Sein Motto: „Turne bis zur Urne“.

Bei Karlheinz Böhm ist der menschliche Faktor mit der Prominenz zusammengewachsen, hinzu kommt, dass der (mittlerweile) äthiopische Staatsbürger bald achtzig und für sein Hilfswerk aktiv ist. Henning Mankell und Peter Maffay fordern Verständnis für Afrika. Christiansen glaubt nicht, dass Böhm schon so alt ist, obwohl er nicht jünger ausschaut, aber solche Standardkomplimente gehören dazu, auch Joop muss sich eins gefallen lassen. Er bietet gern Paroli. Er zupft am weißen Kragen. Als die Rede darauf kommt, dass künftig innere Werte mehr zählen als Äußerlichkeiten, stimmt er zu. „Party war lange genug“. Sollen wir uns etwa wärmer anziehen im neuen Jahr? Jörg Kachelmann winkt ab. 2008 wird zu den zehn wärmsten Jahren überhaupt gehören, aber auch mal ungemütlich sein. Christiansen guckt überrascht. Sie ist immer nett zu ihren Gästen, wendet sich ihnen zu, scherzt mit ihnen, lauscht ihnen gespannt, würde nie jemand bloß stellen. Ihre Beziehung zum Saalpublikum, das ja das Fernsehpublikum vertritt, ist weniger eng. Sie verliert es oft aus dem Blick. Ihre Versuche, es einzubeziehen, sind bemüht, sie kommen aus der Absicht, nicht aus Spaß an der Freud. Aber dann sind da auch schon die Kinder vom Chinesischen Nationalzirkus und machen alles wieder gut. Und Cecilia Bartoli. Ganz schön viel Glamour. Bisschen Party ist doch noch.

„Sabine Christiansen: Mein 2008“, ARD, 21 Uhr 45

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