ARD & Co. : Über Gebühr strapaziert

Joachim Huber

Welch eine armselige Woche für die Sympathisanten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, welch eine wohlige Zeit für die Skeptiker. Beim Rundfunk Berlin-Brandenburg fallen Sendungen aus, weil Geschäftsleitung und Mitarbeiter sich über die weitere Ausgestaltung des gemeinsamen Paradieses streiten und streiken. Mehr Geld oder viel mehr Geld für den öffentlich-rechtlichen Dienst? Durch die Hirne der Ministerpräsidenten geistert die Idee, jeden Internet-PC, jedes Handy künftig mit der vollen Fernsehgebühr von 17,98 Euro zu belasten. Im ZDF hat die parteipolitisch grundierte Links-Rechts-Farce ein Ende gefunden, einen kompetenten Chefredakteur gegen einen kompetenten Chefredakteur einzutauschen.

Für den gemeinen Gebührenzahler, selbst für den gutwilligen Nutzer tut sich eine Lücke auf. Hier die Wirklichkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, dort die eigene Medienwirklichkeit. 2009 wird das Jahr sein, in dem das Auseinanderdriften nicht begonnen, sondern dramatisch zugenommen haben wird. Radio, Fernsehen, insbesondere das universelle Internet sind der Zwangsvorstellung eines Rundfunks, der alles für alle macht, längst davongelaufen. Die Digitalisierung der elektronischen wie auch der Printmedien bedeutet ungeahnte Vielfalt, erweiterte Konkurrenz, verändertes Konsumentenverhalten. Kein Gebührenmodell kann das abbilden noch erfassen.

Was die Medienrevolution via Internets bedeutet, das wollen die Gebührenpolitiker nicht sehen, nicht anerkennen. Es sind eben dieselben Politiker, die ARD, ZDF und das Deutschlandradio benutzen; Sender, die sich von der Politik gerne benutzen lassen, weil sie die Ausweitung der Gebühreneinzugszone für eine grandiose Geldbeschaffungsmaßnahme halten. Sieben Milliarden Euro Einnahmen? Sieben Milliarden reichen nicht, sie können gar nicht reichen, wenn das Selbstverständnis mediale Omnipräsenz und Omnipotenz verlangt. Das gibt den Roland Kochs die Macht, wird die PC-Abgabe zum Kampfobjekt machen.

Das Alleinrecht auf Gebühren sieht sich herrlich an. Und doch: Ein Monopol entfernt vom wirklich wahren Leben. Sagt schon Dittsche.

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