ARD UND ZUKUNFT : Sie haben sich alle gern

Die ARD erkennt: Wer kooperiert, sendet länger.

Joachim Huber

Die ARD hat ein neues Mantra – die eigene Armut. Der Senderverbund werde in absehbarer Zeit ein Minus von 15 Prozent bei den Gebühreneinnahmen verkraften müssen, sagte Peter Boudgoust, ARD-Vorsitzender und SWR-Intendant, am Mittwoch in Berlin. Die Senderchefs hätten deswegen die Notwendigkeit von ARD-internen Kooperationen bekräftigt. Die zehn Landesrundfunksanstalten sollten zusehen, dass nicht jeder Sender alles mache, sondern die spezifischen Kompetenzen sozialisiert, zugleich die besondere Identität eines Senders und seiner Programme bewahrt bleiben. In einem ersten Schritt sollen „spezialisierte Kopfteams“ bei Sportgroßveranstaltungen den Aufwand reduzieren helfen. Heißt: Die föderale ARD will zum Zwecke effektiven Wirtschaftens ein bisschen zentraler denken und handeln.

Wie das geht, zeigt gerade das ZDF. Aus ZDFDoku wurde ZDFneo, bei 3sat wird das Budget für Fremdleistungen um ein Viertel gekürzt, damit der digitale Theaterkanal bald als ZDFkultur strahlen kann. Trotzdem will das ZDD wie auch die ARD den jeweiligen Lieferanteil für 3sat von 32,5 Prozent beibehalten. Dafür wurde zum 25. Geburtstag des Vierländer-Senders – der ORF steht für 25 Prozent, das SF für zehn Prozent – am 1. Dezember die „Berliner Erklärung“ fixiert, ein Bekenntnis zu einem Qualitätsprogramm für Kultur und Wissenschaft.

Offiziell lässt sich die ARD nicht davon beunruhigen, mit welchen Mitteln und auf welchen Wegen der öffentlich-rechtliche Konkurrent seine drei Digitalkanäle für den Moment fit macht, in dem das analoge Fernsehen in Deutschland zugunsten digitaler Verbreitung abgeschaltet wird. Boudgoust sagte, die ARD wolle das Erste und die Dritten für ein breiteres, nolens volens älteres Publikum (der ARD-Zuschauer ist im Schnitt 61 Jahre alt), die drei Digitalkanäle seien auf ein mittleres Alter und die Netzaktivitäten auf das ganz junge Publikum ausgerichtet. Noch scheut die ARD auch das finanziell beträchtliche Risiko, ein Digitalprogramm beispielsweise in einen Jugendkanal zu verwandeln. Kein vorhandenes Angebot soll für ein anderes bluten müssen.

Gleichzeitig lehnte die ARD Forderungen der Privatradios nach einem Werbeverbot im öffentlich-rechtlichen Hörfunk ab. Die ARD-Sender erreichten mehr als die Hälfte ihrer täglich 35 Millionen Hörer mit Werbung. Verbote oder Einschränkungen würden dazu führen, dass der Hörfunk für die Werbewirtschaft ein uninteressanter Markt wäre, sagte Boudgoust.

Die ARD und die Allianz der Film- und Fernsehproduzenten einigten sich auf neue Regeln für die Zusammenarbeit bei Auftragsproduktionen. Demnach erhalten die Produzenten bessere Bedingungen bei der Verwertung der für die ARD hergestellten Filme, besonders beim Verkauf im Ausland sowie bei Erlösen aus Bezahlfernsehen, Kino und DVD. In welcher Höhe, ist noch unklar. Laut Produzentenallianz können in Zukunft die Produzenten nicht genutzte Rechte selbstständig verwerten.

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