ARD-Vorabend : Vier gegen die Krise

Heuschreckenalarm und Frauenpower - das Erste setzt mit „Eine für alle – Frauen können’s besser“ auf eine neue Serie am Vorabend. Ob die ARD damit tatsächlich an die Erfolge von "Berlin, Berlin" anknüpfen kann?

Markus Ehrenberg
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Frauen können's besser. Das Erste mit der neuen Serie "Eine für alle". Foto: ARD

Das Vorabendprogramm ist sozusagen das Bermuda-Dreieck der ARD. Seit „Berlin, Berlin“ 2005, der preisgekrönten Hauptstadtserie mit Felicitas Woll, ist hier nicht mehr viel gelaufen. Oder kann sich noch jemand an die durchaus gut gemachten aber wenig erfolgreichen Serien „Das Beste aus meinem Leben“ und „Zwei Engel für Amor“ erinnern? Oder an die Soap „Sophie – Braut wider Willen“ mit Yvonne Catterfeld? Dass dann noch Bruce Darnell von den Privaten geholt wurde, um eine Coaching-Show im Ersten zu etablieren, war dann fast schon Verzweiflung von Günter Struve, dem Ex-ARD-Programmdirektor. Das erinnerte von Ferne an die großen Fehleinkäufe des FC Bayern München. Der Fußball-Rekordmeister holte sich in den 80er und 90er Jahren regelmäßig die besten Stürmer der Konkurrenz, wenn die mal ein großes Spiel gegen die Bayern gemacht hatten. In München haben diese Neuzugänge regelmäßig versagt.

Schlechte Omen also für „Eine für alle – Frauen können’s besser“, der neuen Vorabendserie im Ersten, auch wenn Hauptdarstellerin Katharina Schubert typologisch genauso wenig mit Bruce Darnell gemein hat wie ARD-Programmdirektor Volker Herres mit Bayern-Manager Uli Hoeneß. Der mediale Aufwand, mit dem dieses Format beworben wird, ist allerdings branchenführermäßig. Man könnte meinen: Wenn das mit der Serie auch nichts wird, kann die ARD die jungen Zuschauer gleich ganz aufgeben. Die gucken zwischen 18 und 20 Uhr lieber „Alles was zählt“, „Die Simpsons“, „Anna und die Liebe“. Oder sie schauen gar kein Fernsehen und gehen ins Internet, zu Youtube. Ausgerechnet am Vorabend, der lukrativsten Zeit, um Werbung zu zeigen. Nach 20 Uhr ist das im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nicht erlaubt. Herres weiß um den schweren Job, den er da von seinem Vorgänger Struve übernommen hat: „Das Werbeumfeld ist an der Ansprache der Werbezielgruppe, der 14- bis 49-Jährigen, interessiert. Dieser Vorgabe folgen wir in den beiden Stunden vor der ,Tagesschau‘, um Werbeeinnahmen zu generieren.“

Beansprucht wird bei „Einer für alle“ erst mal etwas anderes: der Gehörgang. Von gefühlten drei Popsongs gleichzeitig unterlegt machen die ersten Sequenzen dem Zuschauer klar: He, Twens! Gute Laune! Kreativität! Wir haben verstanden! Doch was heißt das schon: gute Laune. Bei dem Plot. Vier junge hübsche Frauen im Kampf mit dem anderen Geschlecht, das ist die – von Vorabendserien sattsam bekannte – eine Seite. Die andere Seite ist ernster: Fiese Finanzinvestoren, „Heuschrecken“, versuchen, die alteingesessenen Wetzmann-Werke, in denen die Frauen arbeiten, zu schlucken. Das fiktive Dörfchen Dorach ist schockiert. Der Kritiker nach den ersten Folgen auch. Bei allen Splitscreens, schnellen Schnitten und Musikgedöns – allzu altbacken kommt die groß angekündigte „Dramedy“ (Herres) daher.

Immerhin, die Globalisierung und ihre Folgen – zumindest thematisch hat die ARD mit ihrer neuen Serie, die von diesem Montag an immer werktäglich zu sehen ist, die Nase vorn. Sie setzt dabei laut Executive Producerin Bettina Reitz vom Bayerischen Rundfunk auf ein weibliches Publikum von 25 bis 50. „Wobei wir natürlich nichts dagegen haben, wenn sie noch einige Männer mitziehen würde.“ Wenn alles gut läuft, sollen die Zuschauer wenigstens 200 Mal erfahren, wieso Frauen alles besser können. Geht es nicht so gut, so hört man, könnte spätestens nach Folge 120 Schluss sein.

Alles eine Frage der (Werbe-)Wirtschaft. Die Serie sei weit vorm Ausbruch der weltweiten Finanzkrise konzipiert worden, sagt Herres. „So schnell können Sie eine tägliche Fernsehserie vom Studiobau bis zur Drehbuchentwicklung und dem Casting der Schauspieler nicht aus dem Hut zaubern.“ Natürlich verleihe die Realität der Serie heute eine ganz andere Brisanz. „ Wenn Sie so wollen, hat die Aktualität die Fiktion eingeholt. Das mache es für Zuschauer besonders spannend.“

The Trend is your friend – da macht Volker Herres dann doch noch ein bisschen einen auf Uli Hoeneß, dem Experten in einem anderen Fach. Bettina Reitz ist vorsichtiger mit ihrer Prognose, was die Rettung am Vorabend, sprich zweistellige Marktanteile, betrifft: „Die allgemeine Krise und die Quoten am ARD-Vorabend teilen sich eine schöne Gemeinsamkeit: Die Hoffnung stirbt zuletzt.“

„Eine für alle – Frauen können’s besser“, Montag bis Freitag,

ARD, 18 Uhr 50

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