Arte-Doku über "Humor und Muslime" : Der Dschihad als absurdes Theater

Lachen als Waffe - eine Arte-Doku widmet sich dem sensiblen Thema „Humor und Muslime“. Weniger witzig geht es dabei in den Redaktionen einer Zeitung am Bosporos zu.

Manfred Riepe
Kind marokkanischer Einwanderer: Der deutsche Kabarettist Abdelkarim.
Kind marokkanischer Einwanderer: Der deutsche Kabarettist Abdelkarim.Foto: © YSO Film/Frank Eggers

„Mein Name ist Bassem Youssef. Und ich bin Araber.“ Kurz nach den Pariser Anschlägen erntete dieser Joke, mit dem der Moderator das Publikum zur Verleihung der Emmy Awards in New York begrüßte, nur gedämpfte Lacher. Der populäre Satiriker, eigentlich gelernter Herzchirurg, zog das Publikum jedoch auf seine Seite. Die Devise des begnadeten Komikers: „Wenn wir lachen, dann haben diese Bastarde verloren.“

Humor und Muslime – das ist ein sensibles Thema. Nach den Angriffen auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ stellte sich irgendwie die Frage, was Muslime eigentlich komisch finden. In ihrer sehenswerten Dokumentation geben Frank Eggers, Sabine Jainski und Faruk Hosseini pointierte Antworten. Auf ihrer filmischen Reise von Deutschland über Frankreich, die Türkei und Tunesien bis nach Jordanien sprechen die Autoren mit Karikaturisten, Comiczeichnern, Kabarettisten und Filmemachern.

Bassem Youssef ist der Bekannteste. In seiner populären Late Night Show „Al Bernameg“ unterbreitete der ägyptische Satiriker den Vorschlag, die Sphinx zu sprengen. Die alten Ägypter beteten Katzen an. Mit IS sei das wohl nicht so ganz kompatibel. 40 Millionen Ägypter lachen über diese Scherze, doch seit 2014 ist Schluss mit lustig.

Alltägliche Absurditäten der islamischen Welt

Weil es für ihn in Kairo zu gefährlich ist, lebt Youssef nun in Dubai, von wo aus er seine Show weiter produziert. Als YouTube-Video. So macht es auch der exilirakische Journalist Ahmed al-Basheer, dessen Vater von Al Qaida und dessen Bruder von schiitischen Milizen ermordet wurden. Seine „Albasheer Show“, in Jordanien produziert, erinnert in ihrer herzhaften Zuspitzung an „Monthy Python’s Flying Circus“. Der Satiriker führt einem jungen Publikum den Dschihad als absurdes Theater vor Augen.

Muslimischer Humor schießt aber nicht nur gegen den IS. Und er kann überaus subtil sein. Mit ihrer Cartoon-Katze „Willis from Tunis“, die über Twitter und Facebook populär wurde, spießt die Tunesierin Nadia Khiari alltägliche Absurditäten der islamischen Welt auf.

Weiblicher Humor setzt dabei ganz andere Akzente. Kurzporträts der Pariser Kabarettistin Samia Orosemane und der Berliner YouTuberin Idil Baydar zeigen, dass man mit und auch ohne Kopftuch witzig sein kann.

Weniger witzig ist dann dagegen der Besuch in der Redaktion von „Cumhuriyet“. Die türkische Zeitung, soeben mit dem alternativen Nobelpreis geehrt, steht wegen permanenter Anschläge unter Polizeischutz und ist zugleich ins Visier des fundamentalistischen Machtapparates geraten. Am Bosporus wird die Tätigkeit des Satirikers immer mehr zum „Risikoberuf“.

„Humor und Muslime“, Mittwoch, Arte, 21 Uhr 50

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