Arte-Dokumentation : Maßarbeit am Frauenfuß

In einer Arte-Dokumentation spricht Designer Christian Louboutin erstmals über seine Jugend. Und verrät, warum er immer zwei Paar Brautschuhe anfertigt.

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Meister und Werk. Louboutin kümmert sich um jedes Detail.
Meister und Werk. Louboutin kümmert sich um jedes Detail.Foto: Arte

Anna Wintour, gefürchtete Chefin der amerikanischen „Vogue“ und einflussreichste Frau der internationalen Modewelt, hat einen kühlen Spitznamen: In der Branche wird sie „The Ice Queen“ genannt, also Eiskönigin. Christian Louboutin, als Designer weltweit berühmt für seine High Heels mit der roten Sohle, wusste das ebenfalls, als er in den Neunzigern seine erste Boutique in New York eröffnete. Dummerweise hatte der Franzose aber etwas falsch verstanden: Als Wintour seinem Laden persönlich einen Besuch abstattete und dabei sogar das Lager kritisch in Augenschein nahm, sagte Louboutin zu ihr: „Jetzt weiß ich, warum alle Sie ,Ice Cream‘ nennen.“

Regisseurin Khelfa porträtierte breits Nicolas Sarkozy und Carla Bruni

Wintour nahm dem jungen Designer diesen Fauxpas nicht übel. Stattdessen ebnete sie mit den Weg seiner beispiellosen Karriere, die Arte jetzt im Rahmen seines alljährlichen Fashion Weekends mit der Dokumentation „Louboutin. High Heels aus Paris“ würdigt. Gedreht hat den 52-minütigen Film das ehemalige Model Farida Khelfa. Khelfa hat sich insbesondere in Frankreich einen Namen als Regisseurin gemacht; zu ihren Werken gehört unter anderem auch „Campagne intime“, eine Dokumentation, die Nicolas Sarkozy und Carla Bruni im französischen Präsidentschaftswahlkampf 2012 begleitete. Jetzt also ein Film über Christian Louboutin, mit dem Khelfa auch privat sehr eng befreundet ist. Kann so etwas gut gehen? Oder muss sich diese Dokumentation nicht automatisch zu einem knapp einstündigen Werbespot entwickeln?

Nein, das ist nicht der Fall. Sicher, zunächst sieht man vor allem Schuhe: schöne, spitze, hohe, absolut ausgeflippte. Und natürlich alle mit der obligatorischen roten Sohle, eine Farbe, die Louboutin zufolge „Weiblichkeit in Reinform“ verkörpert. Gleich zu Beginn erfährt der Zuschauer außerdem die nicht ganz taufrische Legende, wie sich Christian Louboutin in Pumps verliebte: durch ein Schild vor einem Pariser Museum, das das Tragen hoher Absätze untersagte. Die Damen hätten sonst, mon dieu, das teure Parkett ruiniert.

Für Notfälle am Hochzeitstag hat Louboutin einen Trick: Zwei Paar Schuhe

Abseits dieser Informationen spricht der heute 51-jährige Louboutin jedoch erstmals über seine Kindheit und Jugend, die er sonst geflissentlich ausspart; er zeigt sowohl alte Fotos als auch sein modernes Atelier samt Angestellten und Krokodilleder-Archiv. Sogar bei Maßarbeit am Frauenfuß ließ er sich filmen. Ganz nebenbei verrät der Meister außerdem noch einige seiner Geheimtricks, zum Beispiel, wenn es um Brautschuhe geht: Louboutin fertigt immer zwei Paar davon an, eines wie bestellt, eines weitaus schlichter. Warum? „Sogar die vernünftigste, unkomplizierteste Frau wird an ihrem Hochzeitstag ein bisschen verrückt. An wem soll sie es auslassen? Am Kleid? Zu kompliziert. Am Ehemann? Zu spät. Also trifft es den Schuh.“ Für diesen emotionalen Notfall hält Louboutin das zweite Paar parat, das dann auch prompt die Hälfte der Kundinnen dem eigentlich bestellten vorzieht.

Was Farida Khelfa mit ihrem Film am besten gelingt, ist, Christian Louboutin als Menschen zugänglich zu machen und ihn nicht als unnahbaren Modezar auf ein Podest zu stellen – was sicher ebenso möglich gewesen wäre. Durch und durch schuhverrückt wirkt er natürlich, ein wenig exzentrisch, allerdings auf eine sehr angenehme, sympathische Art. Denn Louboutin liebt zwar hohe Absätze und Schuhe per se, vor allem aber hängt er an der die Idee der Entschleunigung: „Alles, was die Welt langsamer macht, gefällt mir“, verriet er bei der Filmvorstellung. Langsamer, so viel ist sicher, ist eine Frau auf Zwölf-Zentimeter-Stilettos auf jeden Fall.

„Louboutin. High Heels aus Paris“, Arte, Samstag, 22 Uhr 55

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