Assange zum Überwachungsstaat : „Als hätte man einen Soldaten unterm Bett“

Am heutigen Donnerstag erscheint das neue Buch von Julian Assange auf Deutsch. Darin spricht der Wikileaks-Gründer mit drei prominenten Hackern über Überwachung - und entwickelt eine Verschwörungstheorie. Wir dokumentieren das Gespräch in Auszügen.

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Julian Assange sitzt seit über einem halben Jahr in der ecuadorianischen Botschaft in London fest, untätig ist er aber nicht - am Donnerstag erscheint sein Buch auf deutsch.
Julian Assange sitzt seit über einem halben Jahr in der ecuadorianischen Botschaft in London fest, untätig ist er aber nicht - am...Foto: dpa

Seit Juni 2012 sitzt Julian Assange nun schon in der Botschaft von Ecuador in London fest. Der australische Wikileaks-Gründer entzieht sich so seiner Auslieferung nach Schweden, wo er wegen Sexualdelikten gesucht wird. Untätig allerdings ist er nicht. Jüngst verkündete er, bei der australischen Oberhauswahl im September zu kandidieren, in der Hoffnung, als gewählter Repräsentant eines mit Großbritannien befreundeten Landes werde er die Botschaft verlassen können, ohne verhaftet zu werden. An diesem Donnerstag erscheint sein jüngstes Buch auf Deutsch. Es dokumentiert ein Gespräch, das Assange im Sommer 2012 für einen russischen Fernsehsender mit drei weiteren prominenten Hackern und Netzaktivisten führte: Mit Jacob Appelbaum, Jérémie Zimmermann und Andy Müller-Maguhn. Jacob Appelbaum ist einer der bekanntesten amerikanischen Internetaktivisten. Andy Müller-Maguhn war lange Sprecher des deutschen „Chaos Computer Clubs“ und Mitglied im Direktorium der ICANN, einer der Verwaltungsorganisationen des Internets. Er ist Gründer von Cryptophone, einer Firma, die sichere Geräte für die Sprach-, Nachrichten- und Datenübermittlung baut. Jérémie Zimmermann ist Sprecher der französischen Bürgerrechtsgruppe „La Quadrature du Net“, die sich international im Kampf gegen das Handelsabkommen Acta einen Namen gemacht hat. Kurz: Assange hat die Crème de la Crème der internationalen Hacker- und Netzaktivistenszene zusammengebracht.

Wikileaks und Julian Assange
"Don't shoot the messenger" - oder gehört Assange endlich nach Schweden ausgeliefert, um sich in einem rechtsstaatlichen Verfahren den Vorwürfen sexueller Übergriffe zu stellen?Weitere Bilder anzeigen
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16.08.2012 14:48"Don't shoot the messenger" - oder gehört Assange endlich nach Schweden ausgeliefert, um sich in einem rechtsstaatlichen Verfahren...

Im Gespräch entwerfen die vier die düstere Zukunftsvision einer überwachten Gesellschaft. Die Abhörpraxis autoritärer Staaten, die Datensammelei internationaler Konzerne und die Pläne der EU für die Vorratsdatenspeicherung zu Zwecken der Strafverfolgung werden dabei als gleichwertige Phänomene angesehen und gerade von Assange zu einem Gesamtbild vermengt, das Merkmale einer Verschwörungstheorie trägt: Assange ist alarmistisch im Ton, deutet geheimes Wissen an, behauptet, die gutgläubige Masse durchschaue die Komplexität der Welt nicht. „Das Internet ist eine Bedrohung der menschlichen Zivilisation“, schreibt er im Vorwort. Diese „Verwandlung“ habe sich „still und leise vollzogen, weil diejenigen, die darüber Bescheid wissen, in der globalen Überwachungsindustrie arbeiten und keinen Anreiz haben, den Mund aufzutun“. Zwar sind Zimmermann, Müller-Maguhn und Appelbaum gemäßigter, widersprechen Assange aber nicht grundsätzlich.

Das Gefühl, auf ein System totaler Überwachung zuzusteuern, ist in der Szene weitverbreitet. Es prägt die Hackerbewegung seit ihren Anfängen. Dieses Buch, aus dem wir im Folgenden einen Auszug drucken, dokumentiert die Angst vor einer dysfunktionalen Technikgesellschaft in beeindruckender Weise. Der Sache allerdings – dem Kampf gegen die vielfältigen real existierenden Probleme – könnte dieser prominente Chor der Warner letztlich schaden.

Das Gesprächsbuch erscheint am 14. März im Campus Verlag: Julian Assange, Jacob Appelbaum, Andy Müller-Maguhn, Jérémie Zimmermann: Cypherpunks. Unsere Freiheit und die Zukunft des Internets. 200 Seiten, 16,99 Euro.

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