Medien : Attacke!

Joachim Huber

Michael Moore kann George W. Bush nicht leiden. Deswegen agitiert er mit Buch und Film gegen die Wiederwahl des Republikaners als US-Präsident. So viel hat Walter van Rossum noch nicht erreicht . Er kann zwar die Sabine Christiansen so wenig leiden wie Moore den George W. Bush, aber bis zum höchst erfolgreichen Kinofilm gegen die ARD-Talkerin ist es für Rossum noch ein ganz weiter Weg. Das Anti-Christiansen-Buch hat der Publizist und Essayist bereits vorgelegt: „Meine Sonntage mit ,Sabine Christiansen’“, Untertitel „Wie uns das Palaver regiert“. Eine Polemik, auf Seite 17 entsprechend intoniert: „Wenn es am Sonntag 21.45 Uhr wird in Deutschland, dann beginnen in der ARD die Geier der Apokalypse ihren Flug. ,Sabine Christiansen’ geht auf Sendung. Unerbittlich stellt sie Fragen, die in das Dunkel unserer Zukunft weisen. Leitmotivisch geht es jeden Sonntag darum, Deutschland erst in Gefahr zu wiegen, um es anschließend zu retten.“

Die Moderatorin, ihr Stammpersonal, der Talk – alles und alle werden hart rangenommen. Walter van Rossum beobachtet genau, er formuliert pointiert, und er schlüpft rasch in die falsche Rolle: Er kann Wirtschaft und Politik besser als die Wirtschaftsbosse und die Politiker. Der Hautgout von Schlaumeierei und Besserwissertum sitzt so fest in den Zeilen wie Sabine Christiansen in ihrem Sessel. Wenn die ARD-Frau palavert, dann prustet Walter van Rossum. Beide sind sich näher, als sie sich jemals nahe sein wollten, beide leiden unter einem starken Rationalitätsdefizit.

Der Autor arbeitet sich vehement an den Inhalten des Palavers ab, Struktur und Techniken interessieren ihn weniger. Sein Buch rückt damit in die Nähe einer „Best-of-Christiansen-Sottisen“Sammlung. Zweifellos gibt der Autor den Hassern dieses Talks Argumente an die Hand, zweifelsfrei gibt er diesen Affen Zucker.

Walter van Rossum: Meine Sonntage mit „Sabine Christiansen“. Wie uns das Palaver regiert. Kiepenheuer & Witsch, Köln, 185 Seiten, 8,90 Euro.

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