Medien : Auch mal Danke sagen

Anti-Raubkopierer-Kampagne arbeitet am Image

Kurt Sagatz

Es ist wie die als Frage formulierte Aufforderung „Hast du dein Kind heute schon gelobt?“. Auch in der Filmwirtschaft hat man offenbar erkannt, dass man seine ehrlichen Kunden nicht dauernd mit dem Hinweis quälen darf, dass „Raubkopierer mit Gefängnisstrafen von fünf Jahren bestraft werden“, während die eigentlichen Bösewichte die Abschreckungsspots ohnehin rausschneiden. Jan Oesterlin, Initiator der unter anderem von den Filmverleihern mit 750 000 Euro jährlich finanzierten Kampagne „Raubkopierer sind Verbrecher“, will darum zwar an der drastischen Ansprache festhalten, am Ende folgt aber zumindest im Kino der Satz: „Vielen Dank, dass Sie sich für die legale Kopie entschieden haben.“

Zudem will die Initiative stärker das Gespräch mit dem Endverbraucher suchen, unter anderem mit einer gestern in Berlin gestarteten neuen Aktion. Um deren Titel „Du kannst dich nicht verstecken. Auch nicht im Internet“ anschaulich zu machen, wurden gestern im Bahnhof Friedrichstraße mehrere Künstler mit Bodypaintings bemalt, so dass sie vor den Säulen und Mauern auf den ersten Blick nicht mehr zu finden waren – ein willkommenes Motiv für diverse Fotohandys. Die Aktion soll im Ruhrgebiet sowie in Süd- und Norddeutschland fortgesetzt werden.

Wie nötig das für die Filmwirtschaft ist, zeigen die Zahlen aus der so genannten AFD-Studie für die im Internet verfügbaren illegalen Filmdownloads. Dafür wurden von April bis Juni alle in deutschen Kinos gestarteten Filme erfasst und mit den illegalen Tauschbörsen verglichen. Das Ergebnis: Filme, die zum Startwochenende mehr als 50 000 Besucher anzogen, sind zu 100 Prozent illegal im Netz erhältlich, quer durch alle Genres: Thriller, Action-, Kinder- und Animationsfilme zu 100 Prozent, Horrorfilme zu 83, Komödien zu 73 und Dramen zu 40 Prozent.

Ein weiteres Problem ist, dass man gar nicht so schnell informieren kann, wie die Verfügbarkeit der Technik (PCs, DSL) zunimmt. „Kernzielgruppe sind weiterhin die 20- bis 29-Jährigen“, sagt Oesterlin. Doch gleichzeitig steigt vor allem in der Altersgruppe der 10- bis 19-Jährigen sowie bei der Generation 50 plus die Zahl der illegalen Downloads, geht aus der vierten Brennerstudie der Filmförderungsanstalt FFA hervor. „Einerseits ist es sicherlich die Naivität, dass man mit dem Kauf des Computers und dem Bezahlen der Internet-Flatrate alles darf, andererseits muss noch stärker aufgeklärt werden. Es ist ja nicht so, dass beim Kauf des Computers über den Urheberrechtsschutz informiert würde“, so Oesterlin.

Im Internet unter

www.hartabergerecht.de

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