Medien : Auf dem Sprung

Orkla drängt nach Berlin – steht aber zum Verkauf

Ulrike Simon

Ein wenig bekannter Konzern drängt seit einiger Zeit von der Öffentlichkeit fast unbemerkt nach Deutschland: Orkla, ein internationaler, über Orkla Media auch im Mediengeschäft aktiver Mischkonzern aus Norwegen. In Berlin besitzt Orkla Media seit Sommer 2005 die nur online verbreitete „Netzeitung“. Ende 2005 kaufte es die Berliner Nachrichten-Website Golem, die beruflich orientierte Computeranwender mit Informationen aus der Soft- und Hardware, dem Internet und dem aktuellen Branchengeschehen versorgt. Außerdem hat sich die Orkla-Media-Tochter „Netzeitung“ für die Berliner Radiofrequenz 100,6 beworben.

Am heutigen Mittwochnachmittag wird der Medienrat der Medienanstalt Berlin- Brandenburg das Konzept von 100,6 Web FM diskutieren. Vorgesehen ist, dass sich die „Netzeitung“ die Frequenz mit Tim Renners „Motor FM“ teilt. Bis 10. Januar mussten sich die beiden auf ein gemeinsames Programmkonzept für „100,6 Web FM verständigen. Es ist die Grundlage für die heutige Entscheidung des Medienrats.

Orkla Media mit Sitz in Oslo gehört zu einem börsennotierten Mischkonzern, der mit seinen diversen Geschäftsfeldern (unter anderem in den Bereichen Ernährung, Chemie, Finanzbeteiligungen) 2004 einen Umsatz von rund vier Milliarden Euro erwirtschaftet hat. Die Mediensparte trug dazu rund eine Milliarde bei.

Doch Orkla Media steht zum Verkauf. Der Mutterkonzern verspricht sich davon beflügelnde Wirkungen an der Börse. Mehrere Kandidaten bekunden ihr Interesse an den zahlreichen Zeitungen, die den Norwegern weltweit gehören – in Schweden, Dänemark, in Norwegen selbst, in Polen, Litauen und der Ukraine.

Ob und welche Folgen ein Eigentümerwechsel auf die Frequenzvergabe für das Berliner Radioprojekt haben könnte, ist unklar. Im Vordergrund der Auswahl unter fast 30 Bewerbern stand aus Sicht des Medienrats neben der wirtschaftlichen Sicherheit für das Nachfolgekonzept auf 100,6 der „innovative Ansatz“. Maier und Renner planen ein internetaffines Programm für Technikbegeisterte, das vor allem auf die Möglichkeiten des Podcasting setzt. Maier ist zuständig für das Wortprogramm, dessen Anteil sich auf 40 Prozent belaufen soll; Renner steuert die Musik bei. Vermarktet wird es von Orkla Media Sales, deren Geschäftsführerin von Top Radio (Kiss, Berliner Rundfunk, rs2) kommt.

Interesse am Kauf von Orkla Media haben neben Finanzinvestoren unter anderem die schwedischen Medienkonzerne Schibsted und Bonnier. Für Schibsted, der hierzulande wegen seiner Gratiszeitungen als Schreckgespenst der Branche bekannt ist, würde der Kauf zumindest in Schweden auf Kartellprobleme stoßen. Bessere Aussichten werden daher Bonnier zugeschrieben.

Maier, der die Geschäftsführung der „Netzeitung“ abgegeben hat, um sich auf die neuen Projekte zu konzentrieren, ist der deutsche Statthalter von Orkla Media. Im Gespräch mit dem Tagesspiegel sagte er, er würde es begrüßen, sollte Orkla Media von einem Medienkonzern gekauft werden. Ungeachtet dessen kündigt er für das erste Halbjahr eine weitere Akquisition in Deutschland an. Orkla Media wächst weiter – wer auch immer der künftige Besitzer sein wird.

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