Medien : Auf der dunklen Seite

„Kommissarin Lucas“ ist mehr Kammerspiel als Krimi

Thilo Wydra

Eines merkt man gleich: Ellen Lucas ist irgendwie anders. Zwar führt sie das Format des Samstags-Krimis im ZDF in gewohnter Qualität fort, aber sie tut das auf ihre Weise. Die neue „Kommissarin Lucas“ hat wenig gemein mit den anderen Samstags-Reihen wie „Bella Block“, der wohl erfolgreichsten, oder „Rosa Roth“.

Ulrike Kriener ist diese Ellen Lucas, die in Regensburg ermittelt. Ihren Einstand, gewissermaßen den Probelauf, hatte sie bereits im März 2003 mit „Die blaue Blume“. Und da diese auf Anhieb eine gute Quote von 5,2 Millionen Zuschauern hatte, gibt’s nun gleich zwei neue „Lucas“-Folgen hintereinander. Heute läuft „Vergangene Sünden“, in zwei Wochen „Vertrauen bis zuletzt“.

Es sind düstere Filme, die so denkbar wenig gefällig sind, wie es auf diesem Sendeplatz überhaupt möglich ist, und sich überdies in ihrer expliziten Privatheit, ihrer Thematisierung von Tod, Sterben und Trauern, deutlich von anderen abheben.

Das ist ein Risiko, aber ein gewolltes. Regisseur Thomas Berger und seine Hauptdarstellerin Ulrike Kriener wollen „sich der Konvention entziehen“, wie sie selbst sagen. Ihr Anliegen ist es, „Gefühle zu erzählen“ in einem Format, in dem es eigentlich um die Aufklärung von Verbrechen geht, sie wollen „mehrere Genres aufbrechen und durchmischen“.

In „Vergangene Sünden“ muss Ellen Lucas pikanterweise gegen ihren eigenen Polizeipräsidenten (Heiner Lauterbach) ermitteln. Denn Leichen pflastern eines Kollegen Weg. Für die forsch-resolute Lucas, neu in der Stadt und ohnehin zwischen ihrem im Wachkoma liegenden Mann Paul und dem Fall hin- und her gerissen, wirklich kein leichtes Unterfangen. In „Vertrauen bis zuletzt“ geht es, auf der quasi politischen Ebene, um die Folgen des Jugoslawienkrieges, die sich bis heute auf Einzelschicksale auswirken. Die intensiven und zugleich beklemmenden Verhörszenen zwischen Ulrike Kriener und der brillanten Anneke Kim Sarnau („Die Hoffnung stirbt zuletzt“, „Ende der Saison“) dürften dabei wohl mit zum Besten zählen, was es in dieser Art bisher zu sehen gab. Das sind herausragende Kammerspiel-Momente.

Es scheint, als kämen die Filme aus einem besseren Fernseh-Zeitalter. Das inszenatorische wie redaktionelle Wagnis „Kommissarin Lucas“ hat sich gelohnt und macht anderen Serien ernsthaft Konkurrenz. Eine vierte Folge ist übrigens schon in Vorbereitung.

„Kommissarin Lucas“: heute und am 30. 10. um 20 Uhr 15 im ZDF.

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