Medien : „Auf die Beiträge kommt es an“

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Herr Sommerfeld, in Deutschland gibt es derzeit 160 000 Blogs. Jeden Monat kommen 15 Prozent neue dazu. Wie behält man den Überblick?

Einige Blogger beobachten täglich hunderte von Seiten und melden das Wichtigste. Schon vor Arbeitsbeginn habe ich damit ein sehr genaues Bild, was in meiner Welt passiert. Verweise von besuchten Blogs bringen mich auf viele weitere interessante Blogs. Wenn einer davon spannend für mich ist, lege ich ein „Dynamisches Lesezeichen“ an und kann so neue Beiträge per Überschrift checken. Das geht sehr viel schneller als der Besuch einer Webseite. Richtig lesen werde ich nur zwei bis drei Beiträge. Wer sich einen Überblick verschaffen will, besucht zudem die Blogger-Suchmaschinen von Google, Technorati oder Yahoo.

Vor allem in den USA, aber auch in Frankreich wird geblogt ohne Ende, in Deutschland steigt die Zahl der Blogs erst langsam. Woran liegt das?

Es ist genau wie beim Internet. Zuerst nutzen es einzelne Mitarbeiter. Später, wenn es wichtig für die „Firma“ ist, wird es zur „Chefsache“. Viele Firmen haben das Marketing-Instrument Blog noch nicht entdeckt oder Angst davor, dass Beiträge kritischer Kunden zu unangenehm sein könnten. Dabei ist gerade das ihre Chance. In Blogs redet man direkt mit den Lesern, Kommentarfelder laden dazu ein. Bisher bekam ich ausschließlich nette und konstruktive Kommentare und mein Blog – blog.lob.de – ist in der „100 Top Business Blog List“.

So erfolgreich wie ein Profi-Blogger wird man selten. Warum sollte man sich als privater Internet-Nutzer dennoch nicht davon abhalten lassen, seinen eigenen Weblog zu starten?

Einzelne Blogger haben eine ähnlich hohe Leserzahl wie eine kleine Zeitung. Auf die Beiträge kommt es an. Es gibt auch langweilige Blogs. Man sollte sich fragen: Welchen Nährwert hat mein Blog, wen sättigt er? Ist ein Blog gut, spricht sich das sehr schnell herum in der Blogosphäre. Das Internet ermöglicht Gespräche, die in den Zeiten der Massenmedien nicht möglich waren.

Die technischen Hürden sind gering, was sind eigentlich die größten Hindernisse?

Viele Blogger haben mit einem der zahlreichen kostenlosen Blogs angefangen. Ich auch. Wer aber ein eigenes Design und ausgefeilte Technik will, wird eine gute (kostenlose) Software wie Wordpress installieren. Damit bleibt kaum ein Wunsch unerfüllt.

Worauf muss man generell achten?

Es ist genau wie bei der eigenen Webseite: Man braucht ein Impressum, das Copyright muss beachtet werden, damit die Anwälte außen vor bleiben und viele nette Leser kommen :-)

Das Gespräch führte Kurt Sagatz

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