Medien : Auf Durchreise

ZDF-Reporter Ulrich Tilgner über seine Erfahrungen im Irak

Markus Ehrenberg

Während die Bomben auf Bagdads Paläste, Häuser und Hotels flogen, stand einer immer ganz ruhig mittendrin, immer Herr der Lage, immer noch ein bisschen cooler als seine Kollegen Rados (RTL) und Klos (ARD): ZDF-Mann Ulrich Tilgner. Schier unverwundbar, so schilderte er uns den Krieg in der Hauptstadt. Eine Mischung aus Superman und Marcel Reif. Man hatte den Eindruck, Tilgner würde nie schlafen. Wann immer man den Fernseher einschaltete – Tilgner war schon da. Ausgeruht, unerschrocken, rasiert, geduscht.

Und auch jetzt, der Krieg ist (fast) vorbei, ist Tilgner überall präsent. Neulich bei Kerner in der Talkshow, morgen bei „Markwort, neunzehnZehn“ auf 3 sat, vorgestern bei einem Journalistengespräch und vielleicht bald auf Buch und CD: „Uli Tilgners Live-Reportagen – Die Geschichte des Krieges aus Sicht eines Journalisten".

Wie groß war zu Kriegsbeginn die Angst vor der alles verdunkelnden E-Bombe? (Sehr groß.) Lebt Saddam Hussein noch? (Eher ja.) Waren die Kriegsziele der Amerikaner vorgeschoben? (Jein.) Wie schätzt er die politische Stabilität im Irak ein? (Ungewiss.) Wurde er zensiert? (Nein!) Ein Mann, viele Journalisten, viele Fragen, nicht immer nur zur Sache, wie ZDF-Chef Nikolaus Brender wünschend vorgab. So einen Presserummel samt Briefing gibt es beim ZDF sonst nur, wenn Thomas Gottschalk was macht.

Ulrich Tilgner, geboren am 16. Januar 1948 in Bremen, Studium der Politologie und Kulturwissenschaften, seit 1980 fürs Fernsehen im Nahen Osten, 1991 schon im ersten Golfkrieg dabei, seit März 2002 im ZDF-Büro Teheran. Jetzt der zweite Golf-Krieg.

Und jetzt? Vorerst hat der Reporter ein paar Tage Kurzurlaub, „embedded“ von der ZDF-Pressestelle. Die Umstellung sei dem 55-Jährigen schwer gefallen wie nie, aber nicht wegen des Medienrummels, sagt er. Die Leute auf der Straße sagen: danke. Die Leute in seiner Sauna sagen gar nichts, Gott sei dank. Und die Leute von der Presse sagen, irgendwie kann das mit den Kriegsbildern noch nicht alles gewesen sein. Irgendwie ging das mit der Offensive zu glatt. Stimmt, man sei auf der Suche nach nicht gesendetem Material. Alles schön und gut und professionell vom Journalisten Tilgner. Aber hatte der Mensch Tilgner nie Angst gehabt? „Nein, meine gefährlichste Situation hatte ich vorher in Teheran, als ich fast überfahren worden wäre.“

Nächste Woche geht es wieder runter nach Bagdad. Vorher würde Tilgner gerne noch in der Show von Harald Schmidt vorbeischauen. „Der hat doch meinen Anzug so gut gefunden, habe ich gehört.“

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