Medien : Auf Gürtellinie

Stefan Raab lädt Spitzenpolitiker zum letzten Schlagabtausch und entscheidet vorab die Wahl

Matthias Kalle

Jetzt, wo es vorbei ist, da sollte man kurz innehalten und zurückschauen auf das, was wir erlebt haben im Rahmen dieses Bundestagswahlkampfes, darauf, wie wir, die Medien, all das begleitet, kommentiert, eingeordnet haben. Diese Rückschau ist nötig, um Stefan Raabs „TV Total“-Sendung zur Wahl auf ProSieben am Samstagabend zu verstehen – vielleicht die konsequenteste Umsetzung des Themas fürs Fernsehen.

So hatte Bettina Böttinger, langjährige Fernsehfrau und Jurymitglied des Deutschen Fernsehpreises, kürzlich dem „Zeit Magazin“ gesagt, sie würde sich über die Wahl hauptsächlich durch Zeitungen und Zeitschriften informieren – die Fernsehangebote spielten keine Rolle. Unaufgeregt, sachlich, kompetent, ideenreich, leidenschaftlich wurde in den seriösen Printmedien berichtet. Sie sind die Gewinner der Wahl 2009, das Fernsehen ist der Verlierer: zu schwach, zu dumm waren viele Formate, das Jammern über einen langweiligen Wahlkampf machte diesen auch nicht spannender.

Stefan Raab versteht mehr vom Fernsehen als andere. Was er von der Politik versteht, behielt er auch am Samstag während seiner Sendung „TV Total Bundestagswahl 2009“ für sich – sicherlich die richtige Entscheidung. Raab war zuständig für Tempo, Witz, absurde Momente. Den Rest besorgte sein Mitmoderator, der N-24-Chefredakteur Peter Limbourg. Wie bereits vor vier Jahren luden die beiden zur „Elefantenrunde“ ein und die Spitzenpolitiker der großen sechs Parteien kamen – außer Merkel, außer Steinmeier, aber vielleicht war gerade das auch das Glück der Sendung.

Mit dabei waren Franz Müntefering (SPD), Christian Wulff (CDU), Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), Jürgen Trittin (Grüne), Guido Westerwelle (FDP) und Gregor Gysi (Linke), 2,2 Millionen Zuschauer sahen bei einem Marktanteil von 8,2 Prozent zu.

Ein Unglück war das Studiopublikum, offensichtlich Nachwuchskader der Parteien, die sich im Laufe der Sendung als schlecht erzogene Gören offenbarten und wirklich Anlass zur Sorge um die politische Zukunft in diesem Land boten. Die Politiker trugen es mit Fassung, auch die Musikauswahl, die zu ihrem Einmarsch gespielt wurde: Als Guido Westerwelle das Studio betrat, spielte die Band „Sexy Motherfucker“, nun ja. Guttenberg bekam als Einmarschmusik obligatorisch AC/DC, was wirklich wie ein Witz anmutete, denn er war als BWL-Student verkleidet – ausgerechnet er müsste doch wissen, dass man sich besser nicht versucht modisch beim jüngeren Publikum anzubiedern. Guttenberg war übrigens der Einzige, der dies ein paar Mal versuchte – die anderen dankenswerterweise nicht, so wurde aus der Elefantenrunde dann tatsächlich etwas, was wir in diesem Wahlkampf im Fernsehen noch nicht gesehen haben: Ein flotter Schlagabtausch, der zwar manchmal die Gürtellinie touchierte, aber nie unterschritt.

Es gab Momente, die hatten amerikanisches Late-Show-Niveau, was vor allem an Raab und Limbourg lag, die schnell und pointiert fragen konnten. Es lag aber auch an den sechs Politikern, die am Vorabend der Bundestagswahl doch sehr entspannt schienen.

Bereits vor vier Jahren konnten die „TV Total“-Zuschauer telefonisch abstimmen, damals war diese Umfrage erschreckend nah an der Realität. Nach der diesjährigen Abstimmung ist die CDU die stärkste Partei, gefolgt von der Linkspartei und der FDP. Die SPD schaffte es knapp vor die Grünen mit 17,7 Prozent.

Das war natürlich alles nicht repräsentativ, es war eine Unterhaltungssendung, es war Show. Oder?

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