Medien : Auf Leben und Tod

Vox zeigt die neue Staffel von „Six Feet Under“

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Hauptdarsteller Tod: Damit brach die US-Bestatter-Serie „Six Feet Under“ ein Tabu in der Fernsehgeschichte, 2001 in den USA, seit 2003 auch bei „Vox“. So schön und so bitter wurde Sterben fiktional noch nie in Szene gesetzt. Zum Auftakt starb gleich mal der Familienvater Nathaniel Fisher an Heiligabend, weil er einer brennenden Zigarette mehr Aufmerksamkeit schenkte als dem Straßenverkehr. Doppeltes Pech für die Hinterbliebenen. Die mussten sich nun unfreiwillig dem Geschäft mit dem Tod widmen – und gleichzeitig ihr Leben meistern. Die skurrilen Geschichten der Familie Fisher zogen einen kleinen, aber feinen Zuschauerkreis beim Nischensender in ihren Bann. Ab heute hat das Warten ein Ende: Während beim Pay-TV-Kanal „Premiere“ die fünfte und letzte Staffel läuft, startet „Vox“ nach über einem halben Jahr Pause die vierte Staffel und kehrt dabei auf den alten, späteren Sendeplatz zurück. Dieser hatte der Serie am Anfang überdurchschnittliche Martkanteile beschert. Zuletzt lief „Six Feet Under“ bereits um 22 Uhr 15.

Wer gerne Nachrufe in Zeitungen liest, über Liebe und letzte Dinge meditiert oder sich einfach nur niveauvoll unterhalten möchte, ist bei den Fishers richtig. Nate trauert um seine tote Frau Lisa, der schwule Bruder David grübelt weiter, ob seine Beziehung mit Keith eine Zukunft hat, Nesthäkchen Claire erzählt endlich von ihrer Abtreibung, Mutter Ruth treibt es mit ihrem neuen Ehemann so laut, dass die Kinder ausziehen wollen, Firmen-Teilhaber und Familienvater Frederico kommt von einer Stripperin nicht los. Dazu als Rahmenhandlung in jeder Folge ein ungewöhnlicher Todes- und Bestattungsfall – Arbeit für die Fishers! –, der mit all dem Familienkram nichts zu tun hat. Oder etwa doch?

Brillantes Fernsehen. Es klingt kitschig, aber es trifft: Diese Serie hat eine Seele. Warum denken sich deutsche Autoren/Redaktionen nicht mal so etwas aus? Oder lieber doch nicht, siehe die „Sex-and-the- City“-Adaption „Alles außer Sex“ auf Pro 7. „Six Feet Under“ ist exzellent gecastet, humorvoll und düster zugleich inszeniert, grandios geschrieben, unter anderem vom „American Beauty“-Schöpfer und Oscarpreisträger Alan Ball, und in den Folgen 40 bis 51 keinen Deut schlechter als in den preisgekrönten Staffeln zuvor (sieben Emmys, zwei Golden Globes). Was man nicht bei allen US-Serien sagen kann. Für „Six Feet Under“-Fans hat das Leben die nächsten zwölf Wochen wieder einen Sinn, am späten Dienstagabend jedenfalls. Gestorben wird immer, hoffentlich, in diesem Fall. Wenn solche Serien bei ARD oder ZDF liefen, würde man sagen: Dafür zahle ich gerne Gebühren. meh

„Six Feet Under – Gestorben wird immer“, Vox, 23 Uhr 05

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