Medien : Auf Nummer sicher

Microsoft will mit „Windows Live OneCare“ nun ebenfalls ein Schutzpaket anbieten. Warum Experten zum Abwarten raten

Kurt Sagatz

Es ist wie mit Autoversicherungen: Im Herbst fragen sich viele Fahrzeughalter, wie sinnvoll ein Wechsel ist. Die gleichen Überlegungen stellen viele Computernutzer im Hinblick auf ihre Antiviren-Programme an, von denen jetzt die neuen Versionen auf den Markt kommen. Das gilt besonders in diesem Jahr, denn neben den klassischen Lösungen von Symantec, McAfee, Sophos, Kaspersky, F-Secure oder Avira bietet diesmal auch Microsoft ein Schutzpaket an.

WAS GEHÖRT ALLES ZU WINDOWS LIVE ONECARE?

Das neue Microsoft-Angebot „Windows Live OneCare“ versteht sich als Rundum- Sorglos-Paket zur Computersicherheit. Das für Windows XP und den Nachfolger Windows Vista geeignete Paket enthält eine verbesserte Firewall gegen Angriffe aus dem Internet. Der Virenscanner aktualisiert sich wie gewohnt über das Internet. Der sogenannte Defender passt auf, dass keine Spyware den Anwender ausforscht. Daneben achtet OneCare darauf, dass regelmäßig die neuesten Windows-Updates geladen werden und dass der Anwender das Aufräumen und Sichern der persönlichen Dateien nicht vergisst. Wie schon beim Sicherheitscenter von Windows XP verfügt Windows Live OneCare über eine praktische Übersichtsseite, auf der man mit einem Blick sieht, ob alle Ampeln auf Grün stehen.

IST DAS MICROSOFT-PAKET BEREITS RISIKOLOS EINZUSETZEN?

Noch handelt es sich bei Windows Live OneCare um eine Beta-Version. Solange sich das Programmpaket aber noch in der Entwicklung befindet, trägt der Anwender ein erheblich höheres Risiko. Während dieser Phase kann Microsoft keinerlei Verantwortung dafür übernehmen, wenn Viren oder andere Schädlinge die Schutzmauern von OneCare überwinden und auf dem Rechner möglicherweise sogar Daten vernichten. Somit verbietet sich der Einsatz von OneCare im Beta- Stadium sowohl auf Rechnern, die im produktiven Einsatz sind als auch auf Privat-PCs, auf denen zugleich die geliebte Musiksammlung oder das eigene Foto-Archiv gespeichert ist. Noch steht zudem nicht fest, wie teuer OneCare in Deutschland nach Ablauf der Beta-Phase sein wird. Bekannt ist nur, dass die US-Version pro Jahr 50 Dollar, also rund 40 Euro, kosten soll. Die Testversion ist kostenlos.

WAS HALTEN EXPERTEN VON WINDOWS LIVE ONECARE?

Das Sicherheitspaket von Microsoft wird selbst von Teilen der Konkurrenz mit Respekt betrachtet. Vor allem die Integration der einzelnen Komponenten sowie die Arbeitserleichterungen bei der Systempflege werden positiv hervorgehoben. „Dennoch darf man keine Abstriche bei der Sicherheit zulassen“, meint der Computerexperte der Stiftung Warentest, Peter Knaak, der beim Thema Windows Live OneCare genauso wie bei Windows Vista zu der Devise „Never change a running system – wechsle niemals ein laufendes System“ rät. Sowohl für Nutzer von kostenlosen Virenprogrammen als auch von kommerziellen Sicherheits-Suiten sei es sinnvoll, vorerst die bestehenden Programme beizubehalten. „Selbst wenn ich jetzt ein neues Abo eingehe und nach drei oder vier Monaten doch wechseln muss, ist das der bessere Weg. Ich verliere dabei zwar möglicherweise 20 oder 30 Euro. Aber was ist das im Vergleich zu den Kosten und dem Ärger, wenn ich auf das falsche Sicherheitspaket gesetzt habe?“, fragt der Experte.

WAS BEDEUTET DER KONKURRENZKAMPF FÜR DIE VERBRAUCHER?

Ob nun Internet Explorer oder Media Player: Jedes Mal, wenn Microsoft in ein neues Geschäftsfeld einsteigt, gab es Auseinandersetzungen mit der Konkurrenz. Vor allem von den beiden Antiviren-Firmen Symantec und McAfee wird derzeit heftig kritisiert, Microsoft habe nicht alle für die Entwicklung effektiver Antiviren-Lösungen notwendigen Schnittstellen im neuen Betriebssystem Windows Vista offengelegt. Dagegen sehen die Konkurrenten Sophos und Kaspersky keine Probleme. Die deutsche Firma Avira, die vor allem durch den für Privatanwender kostenlosen Virenschutz Antivir bekannt geworden ist, sieht zwar keine Gefahr, dass die PC-Anwender durch Windows Vista in ein gigantisches Sicherheitsloch fallen könnten, bemängelt aber dennoch einige Lücken im System. So sei es für die Microsoft-Konkurrenten derzeit nicht möglich, für die im Profi-Bereich und bei den PC-Spielern beliebten 64-Bit-Prozessoren Lösungen gegen sogenannte Rootkits – das sind besonders böswillige Schädlinge – zu entwickeln. Nur dem Microsoft Programm Defender gelingt dies derzeit. Von Microsoft werden die Vorwürfe bestritten.

Windows Live OneCare im Netz

http://ideas.live.com

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