Medien : Auf Tuchfühlung

Auf der Suche nach neuen Konzepten startet Bauer das Promi-Fotoalbum „Intouch“

Ulrike Simon

Die Hamburger Bauer Verlagsgruppe gehört zu jenen Zeitschriftenhäusern, von denen selten die Rede ist. Allein in Deutschland erscheinen 35 Zeitschriften mit einer Auflage von knapp 17 Millionen Exemplaren. Millionenseller wie „TV 14“ und „TV Movie“ gehören ebenso dazu wie „Praline“ und „Neue Post“. Unter kreativem Gesichtspunkt halten sich die Aktivitäten des sparsamen Verlegers Heinz Bauer in Grenzen. Eisern hält sich das Image eines Verlages, der Angriffe aus dem Markt abwehrt, indem er Zeitschriften von Konkurrenten in auffallend ähnlicher Machart nachahmt, aber zu günstigeren Verkaufspreisen auf den Markt bringt. Bauer stört sich an diesem Image. An seiner Spitze wacht der frühere Kanzler-Berater Andreas Fritzenkötter darüber, dass Verleger wie Verlag nicht über Gebühr der Öffentlichkeit ausgesetzt sind. Und doch soll bei Bauer derzeit eine Aufbruchstimmung grassieren, ausgelöst durch einen Mann, der viele Jahre bei „Bunte“ gewirkt hat: Thomas Schneider, besser bekannt als „Doc Schneider“.

Er ist seit Anfang des Jahres der journalistische Kopf der Bauer Verlagsgruppe, vergleichbar mit Helmut Markwort beim „Bunte“-Verlag Burda. Schneider ist es auch, unter dessen Obhut die heute erstmals erscheinende Zeitschrift „Intouch“ entstanden ist.

„Intouch“ ist die deutsche Ausgabe des gleichnamigen amerikanischen Magazins, das Bauer seit drei Jahren erfolgreich in den USA herausgibt. Entwickelt wurde sie vom ehemaligen „Bild“-Journalisten Marcus Werthmann. Als Leserinnen hat Werthmann jene 18- bis 39-Jährigen vor Augen, die für „Bravo“ zu alt und für „Gala“ zu jung sind und derzeit eher zu Monatsmagazinen wie „Glamour“ oder „Celebrity“ greifen. „Intouch“ muss man sich wie ein betextetes Fotoalbum internationaler Stars vorstellen. Unterhaltung in Reinkultur. „Stellen Sie sich eine Party vor, auf der zwei Freundinnen darüber reden, was die Frau da vorne anhat, mit wem der Mann da hinten neuerdings zusammen ist, und wie sehr er seit dem letzten Treffen gealtert zu sein scheint“, beschreibt Werthmann das Konzept. „Intouch“ lasse vor den Augen der Leserin eine Show ablaufen. Anders als im Fernsehen, dem Medium der flüchtigen Bilder, schenke „Intouch“ Zeit zum Studium jedes Fotos. In kurzen Texten werde analysiert und gedeutet, welche Geschichte es erzählt, in welchem Zusammenhang es zu sehen ist. Da werden dann Zeitvergleiche angestellt, wie sich ein Prominenter, seine Frisur oder sein Stil über die Jahre verändert hat; wer zu tief in den Schminktopf gegriffen hat, oder welcher von zwei Frauen, die das gleiche Kleid tragen, es besser steht. Banalitäten, wie sie die klatschfreudige Leserin mag.

Vierzig Leute, zusammengewürfelt aus ehemaligen „Gala“-, „Bunte“- und „Glamour“-Journalisten, davon allein neun Fotoredakteure, werden das Blatt Woche für Woche zusammenstellen. Als Beraterin hat Werthmann Katja Keßler, ehemals „Bild“-Klatschreporterin und Ehefrau von „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann, an der Seite. Als Kolumnistin, die in jeder Ausgabe erklärt, „was hip ist und was hops geht“, ist das Joop-Model Franziska Knuppe engagiert.

Wahrscheinlich würde es Harald Schmidt nicht vermuten, dass ausgerechnet er die Philosophie von „Intouch“ formuliert haben soll. In einem Interview habe Schmidt gesagt, es gebe eine Sehnsucht nach dem Leben jenseits von Hartz IV. Genau diese Sehnsucht wolle er mit „Intouch“ befriedigen, sagt Werthmann: „Wir wollten dem Tal des Jammers in Deutschland etwas Fröhliches entgegensetzen.“

Eine fünf Millionen Euro teure Werbekampagne und ein Anzeigenleiter, der einst für die Milchstraße Markenartikel- Werbung akquirierte, sollen „Intouch“ zum Erfolg verhelfen. Sollte es gelingen, könnte bei Bauer bald ein weiteres, international angehauchtes Magazin entstehen: „Talk“. Der Titel erinnert an Tina Browns Society-Blatt. Entwickelt wird das Bauer-Projekt wie berichtet von Markus Kneissler, früher bei „GQ“, „Max“ und „Bunte“. Auch Andreas Wrede arbeitet neuerdings ein paar Tage in der Woche an mehreren Bauer-Projekten. Wrede war einst unter Milchstraße-Verleger Dirk Manthey Chefredakteur von „Max“.

Bauer scheint zu hoffen, in Hamburg jene Position erobern zu können, die vor Jahren die Verlagsgruppe Milchstraße innehatte – lange bevor Burda sie sich Anfang 2005 einverleibt hat. Bauer versucht es zumindest.

„Intouch“ startet mit 700 000 Exemplaren. Das Blatt erscheint donnerstags und kostet 1 Euro 80 . Chefredakteur ist Markus

Werthmann , 35. Nach der Bundeswehr ging er 1989 zu „Bild“. Seit 2004 arbeitet er für den Bauer-Verlag. An der deutschen Ausgabe des von Bauer in den USA verlegten „Intouch“ arbeitet Werthmann seit Sommer 2004. Zunächst in Köln, seit 2005 in der Hamburger Zentrale.

0 Kommentare

Neuester Kommentar