Medien : Aufbruch, Abbruch

Nachrichtenagentur dapd sendet nicht mehr.

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Foto: promo Foto: picture alliance / dpa
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Die insolvente Nachrichtenagentur dapd hat ihren Betrieb eingestellt. Dies gab am Donnerstag die Insolvenzverwalterin Petra Hilgers bekannt. „Nachdem bereits mehrere Verhandlungspartner abgesprungen waren, hat auch die russische Nachrichtenagentur RIA Novosti als letzter aussichtsreicher Gesprächspartner am 9. April die Gespräche abgebrochen“, ließ sie mitteilen. Es bestehe zwar weiterhin die Chance, dass RIA Novosti eine positive Entscheidung fälle. Die Verhandlungsdauer sei jedoch unbestimmt und die Wahrscheinlichkeit einer positiven Entscheidung nicht einschätzbar, sagte die Insolvenzverwalterin. Das Unternehmen wird abgewickelt. Die derzeit beschäftigten 175 festen Mitarbeiter sollen für den Monat April noch Insolvenzgeld erhalten.

Nach der Ankündigung des Endes ist die Stimmung in der Berliner Zentrale gedrückt, berichtet epd. Die meisten haben mit dem endgültigen Aus der Agentur gerechnet. Trotzdem steht ihnen die Wut ins Gesicht geschrieben. Einen Plan, wie es weitergehen soll, haben sie nicht. „Darum hat sich die Insolvenztante doch nicht gekümmert“, sagt einer. Wer keinen Urlaub mehr hat oder noch Überstunden abbauen muss, müsse bis dahin weiter in der Redaktion erscheinen. Daran glaubt keiner.

Gewerkschaften und Journalistenverbände zeigten sich bestürzt. Als „unnötig und Folge verantwortungslosen betriebswirtschaftlichen Handelns“ bezeichnete die Geschäftsführerin der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten Union (dju) in der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Cornelia Haß, das Aus von dapd. Der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), Michael Konken, sprach von einer „Katastrophe“ für die Redakteure und freien Journalisten.

Die Geschichte der dapd ist eine Abfolge von Aufbrüchen und Einbrüchen. Die beiden Investoren Martin Vorderwülbecke und Peter Löw waren angetreten, den deutschen Agenturmarkt zu erobern. Sie fusionierten dafür nach dem Kauf von ddp diese Agentur Mitte 2010 mit dem zugekauften früheren deutschen Dienst der amerikanischen Agentur Associated Press (AP) zur dapd.

Durch die Steigerung der Mitarbeiterzahl auf rund 300 und einer aggressiven Preispolitik sollte der Platzhirsch auf dem engen deutschen Markt, die Deutsche Presse-Agentur, einge-, wenn nicht überholt werden. Größter Coup war, als dapd nach erfolgreicher gerichtlicher Auseinandersetzung den Millionenauftrag des Auswärtigen Amtes zugesprochen bekam, der bedeutete, dass künftig nicht mehr die dpa, sondern dapd die deutschen Botschaften mit Nachrichten beliefern sollte.

Spätestens im Oktober 2012 zeigte sich, dass das Ziel einer wirtschaftlich tragfähigen Vollagentur auf Sand gebaut war. Mehrere Gesellschaften im dapd-Kerngeschäft mussten Insolvenz anmelden. Löw und Vorderwülbecke hatten die Finanzierung der Verluste eingestellt, an die hundert Mitarbeiter verloren ihren Arbeitsplatz. Frische Hoffnung keimte mit dem neuen Investor Ulrich Ende auf. Der ehemalige Geschäftsführer des Nachrichtensenders N 24 wollte dapd mit weiteren Investoren wie dem Unternehmer Christoph Bausinger vom 1. Februar 2013 aus der Insolvenz führen. Anfang März musste Ende eingestehen, dass die Geldgeber trotz vertraglicher Zusagen nicht bezahlt hätten. Am 10. April hat der Schrecken ein Ende. Joachim Huber

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