Medien : Auferstanden

„Der Fall Jesus“: Ein Film im ZDF bietet die neuesten Thesen und Legenden um den Galiläer an

Eckart Lottmann

War er nun Gott, oder Mensch, oder beides? Starb er wirklich am Kreuz, oder war das nur ein gelungenes magisches Kunststück? Die Rede ist von Jesus Christus. Viel kann die moderne Wissenschaft nach- und beweisen, hier allerdings stößt sie an ihre Grenzen. „Der Fall Jesus“, neueste Folge der ZDF-Reihe „Terra X“, präsentiert zwar einige neuere Spuren, kann die zentralen Fragen aber nicht klären. Mit dem Ermittelten kann man aber schön spekulieren, und so wird der „Fall Jesus“ zu einem abenteuerlichen Stück Geschichte – voller ungeklärter Ereignisse.

Dass Jesus gelebt hat und dass er ans Kreuz geschlagen wurde, das ist unstrittig. ZDF-Autorin Renate Beyer inszeniert den Lebenslauf von Jesus Christus in stimmungsvollen Bildern. Da liegt das Kind in der Krippe, dann ist der Galiläer ein Knabe, der von seinem Vater, dem Zimmermann Joseph, unterwiesen wird. Als Zwölfjährigen sehen wir ihn unter den Gelehrten im Tempel, er scheint kluge Sachen zu sagen. Doch ab dann, sagt der Kommentar, wissen wir nichts mehr von Jesus, etwa zwanzig Jahre lang, bis zu seinem Wiederauftauchen als Messias. Wie lebte Jesus in dieser Zeit, durch welche Lehren ließ er sich inspirieren?

Immer mal wieder blitzt es am Nachthimmel, schwillt die Musik dramatisierend an, taucht unscharf ein Wanderer in der Wüste auf. Der Jesus-Darsteller sieht ernst und gedankenvoll zu seinen Jüngern hin. Eine Reihe von Spekulationen legt Renate Beyer dem Zuschauer vor. Arbeitete Jesus als Handwerker auf einer der Großbaustellen in der Region? Lernte er magische Künste in Ägypten? Reiste er gar nach Indien und studierte Yoga-Techniken? Die Indizien dafür klingen gar nicht so unwahrscheinlich. Ein indischer Wissenschaftler hält es für möglich, dass Christus am Kreuz durch eine spezielle Meditation seine Körperfunktionen so reduzieren konnte, dass er anderen als tot erschien. In die Grabkammer gelegt, könnte er sich wieder erholt haben und entkommen sein. Aber wenn es so war, dann wäre Christus – ein Magier, der einen grandiosen Coup gelandet hat? Ein religiöser Führer, der auf die Kraft der Legende setzte?

Die Bibel trägt da kaum etwas zur Aufklärung bei. Die Lebensgeschichte von Jesus Christus ist ein interessengeleitetes Konstrukt, eine Propaganda seiner Anhänger, das sagt, lächelnd, ein Professor. Die Aussagen der viele Jahrhunderte alten schriftlichen Quellen können nicht überprüft werden. Es kann nur spekuliert werden, die Frage ist allerdings, wie man das im Fernsehen macht.

Renate Beyer hat große Teile dieses Films mit Statisten, Kostümen, Requisiten inszeniert. Dialoge gibt es in diesen Spielszenen nicht, sondern nur Geräusche, eine dramaturgisch eingesetzte Filmmusik und den Kommentar. Einige interviewte Wissenschaftler sorgen für etwas rationale Distanz – bis Renate Beyer wieder mit inszenierten Szenen in den Bann zieht. Jesus soll uns als Mensch ganz anschaulich präsentiert werden. Das streift manchmal die Grenze zum Kitsch, entspricht aber voll der Art der Darstellung, die „Terra X“ will.

Ein Konzept, das offensichtlich aufgeht. Es handele sich hier um eine Reihe mit „high end“-Dokumentationen, sagt Thomas Hagedorn von der ZDF-Pressestelle, manche sagen auch „Hochglanz-Dokumentation“ dazu. Geboten werden attraktive Schauplätze in fremden Ländern, versierte Nachinszenierung und Einblicke in die Geschichte. Die letzten Folgen erreichten über fünf Millionen Zuschauer. „Der Fall Jesus“ wird sich in diese Erfolgszahlen wohl einreihen.

„Terra X – Der Fall Jesus“, 19 Uhr 30, ZDF

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