Aufmerksamkeitsschwund : Liebling der Woche

Harald Schmidt macht den Wulff und verkauft keine Karten für sein Mozart-Singspiel. Er bedauert das sehr.

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„Ich lese erst wieder Christian-Wulff-Artikel, wenn die Überschrift kommt: ,Wulff dem Haftrichter vorgeführt’.“ Von der „Harald Schmidt Show“ war in Woche zwei der Präsidenten-Affäre ein Feuerwerk an geistreichem Spott zu erhoffen. Zuletzt hatte Schmidt bei seinem neuen, alten Heimatsender Sat1 unter Zuschauer- und Aufmerksamkeitsschwund gelitten. Das Thema Wulff kam da wie gerufen. Gut vorstellbar die Freude, mit der sich Schmidts Team auf die Topics der letzten Tage stürzte, zudem die Show nun dreimal die Woche an den Start darf, um mit der Schlagzahl an alte Stärken anzuknüpfen. Vielleicht auch an alte Subversionen.

Klar, dass Charly Wagner aus Ernst Jüngers „In Stahlgewittern“ vorlas. Im Unterschied zu den meisten seiner Zuschauer beim Bällchensender dürfte Schmidt dieses Werk gewärtig sein. Klar, dass Wulff zum „Liebling des Monats“ gewählt wurde. Fällig war ein Wulff’sches Stimmen-Imitat, sinnfällig war auch Jan Böhmermanns Trip nach Burgwedel, um ein WDR-Team, das sich vor Wulffs Haus aufgebaut hatte, wegen Sensationsgier zu geißeln. Und wer immer noch nicht weiß, wie das mit den Medien und der Politik funktioniert: Schmidt ließ einen verdutzten 14-jährigen Studiogast mit der „Bild“-Zeitung in der Hand den Paternoster rauf- und runterfahren; gemäß dem Satz von Springer-Chef Döpfner, wer als Promi mit der „Bild“ im Aufzug nach oben fährt, fährt mit ihr auch wieder runter.

Ob es mit Harald Schmidt bergauf geht? Auch diese Woche kam seine TV-Show nicht über sieben Prozent in der Zielgruppe hinaus. Und Schmidts Tournee durch Deutschland mit einem Mozart-Singspiel muss später beginnen – zwei Konzerte im Norden fallen wegen fehlender Zuschauer aus. „Ich bedaure das sehr“, sagte Schmidt der dpa. „Ich habe noch nie eine Vorstellung abgesagt, solange unten einer mehr sitzt als oben auf der Bühne steht, wird nach den goldenen Regeln des Theaters gespielt.“ meh

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