Medien : Aufruhr im Pott

„Wetten, dass?“ Robbie Williams bei „FC Schalke“ versagt

Joachim Huber

Auf Schalke, in der Arena, sollte sich Robbie Williams auch in ferner Zukunft nicht blicken lassen. Bei der ZDF-Show „Wetten, dass?“ hat er sich den Weg dorthin verbaut. Der Sänger, Brite und entsprechend fußballbegeistert, musste nach verlorener Wette die aktuellen Ergebnisse der Fußball-Bundesliga vorlesen. Statt „FC Schalke“ sagte er zunächst „FC Schalk“ und dann – „FC Scheiße“. Das ist schlimm, und vielleicht noch schlimmer als das „Schalke 05“. Das sagte einst Carmen Thomas im „Aktuellen Sport-Studio“ (gleichfalls ZDF). Als Sport-Moderatorin tat sich die Journalistin in der Folge schwer. Thomas trank dann ihren Urin und baute parallel dazu im WDR-Hörfunk ihre Karriere aus.

Möglicherweise hat der FC Schalke 04 ein Image-Problem. Beim „Deutsch vom Ausländer“ Robbie Williams lachten die Zuschauer in der Wiener Stadthalle und die Gäste von Thomas Gottschalk auf der Wettbank. Die war von Anke Engelke über Michael Schumacher bis zum „Quoten-Ösi“ Rainhard Fendrich gut gefüllt. Was die Einzelnen und die ganze Runde von sich gaben – schon vergessen, so dünn bis sinnfrei waren die Fragen und die Antworten. Die Fragen stellte Thomas Gottschalk. Ein Frager war er nie, wird er nie. Immer vermittelt er auch ein wenig den Eindruck, als wisse der Mann mit dem Lebensmittelpunkt im kalifornischen Malibu nicht recht Bescheid über das Treiben in Deutschland, einem Land, das, zugestanden, sehr in sich verbissen ist.

Gottschalk ist ein besonderer Showmaster in einer besonderen Show. Er kann sich in diesem Unterhaltungs-Universum bestens bewegen. Sein „Wetten, dass?“ bindet Kräfte, Kapazitäten und Können zu beinahe 150 Minuten Fernseh-Unterhaltung zusammen. Auch die 139. Ausgabe ließ staunen, wozu Menschen ihre freie Zeit so nutzen, welche (merkwürdigen) Talente sie pflegen: Ein 40-Jähriger aus Lemgo kann einen zwei Tonnen schweren Geländewagen an einem Seil eine Minute lang in der Schwebe halten, ein 66-Jähriger aus Erding lässt einen Metallspecht jede gewünschte Zahl picken, ein 31-Jähriger aus Zuchwil (der spätere Wettkönig) vermag seine Kleidung zu wechseln, während er eine Champgnerflasche plus Gläsern auf der Stirn balanciert. Wahrscheinlich käme ein Kind niemals auf derart absonderliche Ideen, ein Sechsjähriger aus Mödling lernt jedenfalls alle Sternbilder auswendig.

Schon das Alter der Wettbewerber zeigt an, was „Wetten, dass?“ sein will: Unterhaltung für die ganze Familie. Wo das übrige Fernsehen, auch das unterhaltende, in Formate, Spezialitäten und zielgruppenaffine Angebote zerfällt, versucht sich die ZDF-Show am Vielerlei für alle. 13,4 Millionen Zuschauer freuten sich dran. Außerdem, die Starparade: Robbie Williams, Shakira (Dauergast in diesem Jahr), Phil Collins, Santana, Lionel Ritchie. Eine solche Ballung an wirklichen Weltstars bekommt keine zweite Show zusammen. Das deutsche Show-Fernsehen wird immer inländischer, auch wenn sich „No Angels“, „Bro’Sis“ oder Sarah Connor immer internationaler geben. Herbert Grönemeyer ist deutsch, und was macht er? Er geht zu „Wetten, dass?“.

Natürlich, all die Global Players des Pop-Business nehmen die ZDF-Einladung gerne an, weil sie eingeflüstert bekommen, dass die Deutschen Geld in der Tasche haben; Geld, das sie für CDs und Konzertkarten ausgeben sollen und wollen. Wenigstens das englischsprachige Ausland glaubt noch an uns, an unsere Wirtschaftskraft und an unseren Musikgeschmack. Das ist mehr, als wir selbst zu glauben hofften.

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