AUGEN ringe : Schiefe Köpfe, laute Schreie

Die Olympia-TV-Kolumne: Mit Michael Steinbrecher durch die Nacht

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Es ist keine gute Woche für das ZDF, so viel steht in jedem Fall fest. Und das begann nicht am Montag mit dem Interview, was Nikolaus Brender (zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Textes noch Chefredakteur des ZDF) dem „Spiegel“ gegeben hat und in dem er von Stasi-ähnlichen Spitzelmethoden seitens einiger ZDF-Mitarbeiter berichtet. Die schlechte Woche des ZDF begann davor, am Samstag, als Michael Steinbrecher das „Aktuelle Sport-Studio“ wieder einmal wie eine Kaffeefahrt mit betreutem Klatschen moderierte, dann irgendwann in ein Flugzeug stieg, um nach Vancouver zu fliegen, weil man beim ZDF tatsächlich glaubt, einen wie Steinbrecher wollen die Menschen bei den Olympischen Spielen sehen.

Kann der Mann etwas, was uns Fernsehkritikern verborgen bleibt? In der Nacht zum Freitag gab es eine Zeitlang offensichtlich keinen Sport, den man zeigen konnte, Steinbrecher musste Einspielfilme anmoderieren, die an Bedeutungslosigkeit kaum zu toppen sind, in einem war eine „Reporterin“ mit dem kanadischen Schlagersänger Michael Bublé in einer Bar – warum auch immer. Jedenfalls liefen diese Einspielfilme nicht sofort los, nachdem Steinbrecher sie anmoderiert hatte, deshalb legte er den Kopf etwas schief und versuchte ein Grinsen, eine kleine Geste, die sagen will: „Du, ey, echt total sorry for that, du.“

Gut also, dass das ZDF Steinbrecher im Studio hatte – und nicht, sagen wir mal, Wolf-Dieter Poschmann. Das ist kein Mann für kleine Gesten, sondern für große Worte, Worte, die wir leider hören mussten beim Eisschnelllauf, andauernd, so als ob der Kommentator nach Wörtern pro Sekunde bezahlt werden würde und nach Lautstärke, es war teilweise unangenehm. Denn abends um elf lässt man sich nicht gerne anschreien, auch nicht, wenn Olympia ist. Matthias Kalle

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