AUGENringe : Der fahrige Herr Poschmann

29.07.2012 00:00 Uhrvon

Die Eröffnungsfeier dauerte und dauerte - und die ZDF-Kommentatoren wurden nicht besser.

So eine Eröffnungsfeier von vier Stunden – das ist eine lange TV-Strecke. Da kann beim Live-Kommentar schon mal etwas schiefgehen, muss nicht jedes Wort sitzen. Aber was wollte das ZDF? Es sollte wohl um „die Emotionen“ gehen. Die aber nie erspürt, sondern immer nur beschworen wurden. Als Stimmen für authentisches Erleben hatte das ZDF dem Moderator Wolf-Dieter Poschmann zwei Ex-Sportler, Kathrin Boron und Christian Keller, die hauseigenen Fachleute für Rudern und Schwimmen, zur Seite gestellt. „Habe Gänsehaut, jetzt schon“, gab die eine früh zum Besten, von „Gänsehaut pur“ oder gar „Gänsehautfeeling pur“ war dann immerzu die Rede.

Derweil wurde Poschmann immer fahriger. „Trommeln gehört zum Handwerk“, verkündet er, wenn in der Show gerade getrommelt wird. „So langsam haben auch sie Feuer und Flamme gefunden“, bemerkt er zu den anfangs skeptischen Londonern. „War das gerade Demirel?“, fragt er später, als der türkische Premier Erdogan zu sehen ist. Da hatte er schon freudig „Bundespräsident Gauck und seine Gattin“ auf der Tribüne begrüßt. Die mussten dann unbedingt noch einmal ins Bild gerückt werden, damit er ein korrigierendes „und Lebensgefährtin Daniela Schadt“ loswerden konnte.

Beim Einmarsch der Nationen zählten die Ex-Sportler zu beinahe jedem Land akribisch alle Schwimmer und Ruderer aus Vergangenheit und Gegenwart auf. Und wenn die Welt einmal nicht in Ruderer und Schwimmer zerfiel, berichteten sie von Trainingslagern oder Kreuzfahrten. „Israel, tolles Land, in dem man gut trainieren kann“, sagte der Schwimmer, und die Ruder-Fachfrau hat mal Urlaub auf Kuba gemacht. Es gab einen Moment in der Eröffnungsfeier mit ganz viel Popmusik von „My generation“ bis David Bowie und Amy Winehouse – da waren sie mal still, Poschi und Keller und Boron. Das war prima. Bernd Gäbler

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Unser/e Leser/in blinder meint zum Artikel: Besuch im Reichstag bleibt umständlich:
Da von den aktuell 620 Abgeordneten bei den Sitzungen sowieso nur 20% anwesend sind, bleiben fast fünfhundert Sitze unbelegt. Hier könnte man doch die wartenden Besucher nach der obligatorischen Einlasskontrolle "zwischenparken".
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