Augenringe : Nicht mehr zeitgemäß

Während sich der Sport ständig verändert, haben ARD und ZDF bei den Spielen von Sotschi an den altbekannten Rezepten festgehalten.

Dominik Bardow
Das Fernsehen hat die Spiele von Sotschi auf traditionelle Weise übertragen.
Das Fernsehen hat die Spiele von Sotschi auf traditionelle Weise übertragen.Foto: dpa

Winterspiele sind wie Norwegerpullis: bequem, praktisch, modisch fragwürdig – aber ewig tragbar. Alle vier Jahre holen die Öffentlich-Rechtlichen die mit Schneeflöckchen und Elchen versehene Strickwolle aus dem Schrank, schütteln sie kurz aus und machen es sich kuschelig in den Bergen. Ist ja auch bequem. 240 Stunden Sendezeit sind schon mal gefüllt, für nur 20 Millionen Euro. Würde man die Zeit mit frischen „Tatort“-Krimis abdecken wollen, wäre das mehr als doppelt so teuer. Die guten Quoten sind ein Selbstläufer. Und praktisch ist es auch, das Signal ist weltweit das gleiche, außer ein paar Beiträgen und Live-Moderationen fällt nicht viel Arbeit an.

Stilistisch fragwürdig war es aber auch diesmal. Die endlosen Schneeteppiche auf dem Bildschirm, verwoben mit südlichem Dialektkauderwelsch aus dem Off, mal zu gelangweilt, mal zu euphorisch, wildes Zappen zwischen den Sportarten – gefühlt hat sich seit der Einführung des Farbfernsehens nichts am Rezept geändert. Sogar die Pullis sind die gleichen.

Der Sport ist schneller geworden

Bequem ist gefährlich. Mode ändert sich schon mal im Lauf der Jahrzehnte. Der Sport selbst jedenfalls hat sich verändert. Er ist schneller geworden, spektakulärer und politischer. Von all dem bekam man bei ARD und ZDF nur am Rande mit. Da lief meist die bewährte Masche.

Den Fußballübertragungen hat es gutgetan, dass sie zwischenzeitlich bei den Privaten liefen. Die Präsentation war zeitgemäßer, die Öffentlichen übernahmen vieles, als sie die Rechte zurückkauften. Bei Olympia ist das nicht abzusehen. Die Sender legen die Norwegerpullis zurück in den Schrank und freuen sich gedanklich schon auf den nächsten Urlaub. Im Sommer steht die WM in Brasilien an, die viele Themen böte. Fußballtrikots sagt man übrigens auch nach, sie seien bequem, praktisch und modisch fragwürdig – eben ewig tragbar. Dominik Bardow

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