Augenringe: Olympia in den Medien : Unterkühlte Goldmedaille

Die sozialen Netzwerke können sich bisher nur mäßig für Olympia begeistern - daran ändert auch die erste Goldmedaille für Deutschland kaum etwas.

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Michael Jung, erster deutscher Goldmedaillengewinner in Rio. Silber gabs in der Mannschaft gleich mit dazu.
Michael Jung, erster deutscher Goldmedaillengewinner in Rio. Silber gabs in der Mannschaft gleich mit dazu.Foto: dpa

Ha! Endlich! Medaillen für Deutschland! Da geht die erste La-Ola-Welle auch durch die sozialen Netzwerke. Vor allem in Form von Anspielungen auf den „Goldenen Reiter“ und „Deutschlands Glück auf dem Rücken der Pferde“. Pferde-Gifs und -Emoijs werden getwittert, was das Zeug hält. Man stelle sich vor, was passiert wäre, wenn es um einen Sport mit Katzen gehandelt hätte.

Bisher ist Olympia in Rio auf den sozialen Netzwerken ja eher unterkühlt aufgenommen worden. Klar, die Sportverbände senden ständig Updates, viele Athleten facebooken, twittern und instagrammen so eifrig, dass man sich fragt, wie sie sich auf ihren Wettkampf konzentrieren können. Aber das Medienvolk daheim ignoriert das weitgehend, trotz anfänglicher Aufforderung von Facebook zur Partizipation: „Freue dich an den Spielen! Nimm teil!"

Vergebens, beim Blick in die eigene Facebook-Timeline könnte man denken, Olympia sei ausgefallen.

Der Todesblick von Michael Phelps

Etwas mehr ist auf Twitter los. Gesucht werden #OlympicSongs („Should I Sail or Should I Go"). Held ist der Schwimmer Michael Phelps. Wegen seiner jetzt 21 Goldmedaillen, vor allem aber wegen #PhelpsFace. Unter diesem Hashtag zirkuliert ein Bild von ihm aus dem Callroom, auf dem er mit Verachtung auf einen vor ihm hampelnden Gegner starrt. Damit hätte er sich sofort bei den Todessern aus Harry Potter bewerben können.

Auch das ist nichts im Vergleich zur Fußball-EM, wo jedes noch so langweilige Außenseiter-Spiel auf Twitter unterhaltsam kommentiert und überformt wurde. Womöglich nimmt die Olympia-Begeisterung zu, wenn es mehr emotionale Momente gibt. Es könnte aber auch sein, dass das fragmentierte Programm der Spiele einfach nicht Social-Media-kompatibel ist. Wenn jeder seinen eigenen Livestream guckt, der eine beim 200-Meter-Brust-Vorlauf ist, während die andere dem Schießen folgt, lässt sich eine kollektive Erzählung schwer herstellen.

Gegen Fußball kommt auch Gold nicht an

Ob sich das ZDF von der emotionalen Distanz anstecken ließ? Nach den sexistischen Tiraden des ARD-Mannes Sostmeier kommentierte ZDF-Reporter Gert Herrmann den Reit-Triumph wohltuend nüchternd. Nicht ganz stilsicher kam dagegen Katrin Müller-Hohenstein im ZDF-Olympiastudio rüber. Sie wünschte Goldpferd Sam ein „extra Leckerli und eine Streicheleinheit“ - und wies dann quasi im selben Atemzug auf eine parallele Übertragung des Fußball-Supercup-Spiels Real Madrid gegen den FC Sevilla hin. Gegen König Fußball kommt halt auch die erste deutsche Goldmedaille schwer an.

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