Medien : Aus dem Stand

Bernd Gäbler

Tagesschau um 20 Uhr. ARD. Von nun an also sind Peter Kloeppel (RTL) und Claus Kleber (ZDF) Sitzenbleiber. Ulrich Wickert und die Seinen aber haben einen Standpunkt – von einem Hocker gestützt. Jan Hofer wird es machen wie die Windsurfer – und wirkte Eva Herman zur Premiere bei genauer Betrachtung nicht tatsächlich etwas gestreckter?

Das fast schon Sensationelle dieser ARD-Reform: Aus dem Stand heraus hat alles geklappt. Ausgiebig war das große Ereignis, gegen das sogar die Einführung der Farbe Orange im ZDF verblasste, angekündigt worden. Seit einem Jahr bereite man diesen Schritt vor, hatten allen Ernstes die „Tagesschau“-Chefs Bernhard Wabnitz und Kai Gniffke versichert.

Von einem Bootsbauer wurde erzählt, von unterschiedlichen Werkstoffen im geschwungenen Tisch, von Größenunterschieden der Akteure und der in Zukunft weniger albernen Eindrehbewegung des Kopfes im Falle eines Interviews.

Am Tag, als der Dalai Lama gleich zweimal ins Programm kam, wurde all dies nun Wirklichkeit! Endlich eine Reform, die steht wie eine Eins! Und das Tollste: Man merkt fast nix!

Vorfahrende Limousinen, wichtige Politiker, abgefilmte Pressekonferenzen – alles wie gehabt. Nur im Studio ist der Bildausschnitt etwas weiter, Grafik und Schrifttyp sind in Nuancen anders, der Hintersetzer hat einen scharfen Rand. Warum also so viel Getöse? Weil die „Tagesschau“ zwar eine Nachrichtensendung ist, hauptsächlich aber eine Gewohnheit – wie Zähneputzen. Rund ein Drittel der Zuschauer versteht nichts und behält nichts, glaubt aber bei jeder News-Sendung, es war die „Tagesschau“. Jetzt gibt es eine neue Bürste. Zum Glück sieht sie aus wie die alte.

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