Medien : Aus der Grube

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Lange Zeit schien es so, als seien der Fernsehsender RTL 2 und sein sickergrubenmäßiges Werbeumfeld nicht zu unterbieten. Doch weit gefehlt. Einer Dame ns Salm, früher fetzige MTV-Adlige, ist es gelungen, mit dem Sender Neun Live alle mentalen Fäkalien in den Schatten zu stellen.

Seriöse Produkte halten sich ohnehin von der schwachsinnigen Abzocke fern: Eine breitmaulige Besprecherin aus Wuppertal will zum Beispiel gegen ein Preisgeld von 300 Euro wissen, an welchem Fluss Köln am Rhein liegt.

Wer wählt (49 Cent), hört eine automatische Blechstimme, die sagt, dass der Anruf perdu war, nicht aber die 49 Cent. Laut Frau Salm nimmt der Sender mit den dummen Ratespielchen von ebensolchen Sehern rund 18 bis 19 Millionen Euro pro Monat ein und macht so treffliche Geschäfte. Offenbar hat auch n-tv von der Verdummungsmasche gelernt, wenn auch nicht so plump. In n-tv-eigenen Reisespots kann man für 199 Euro eine acht Tage währende Reise in einem Fünfsterne-Hotel an der türkischen Adria buchen, Ausflug nach Alanya inklusive. Der so geköderte Reisewillige ruft natürlich sofort die n-tv-Nummer an, um zu erfahren, dass es sich um einen Winterpreis ohne jegliche Zuschläge handelt.

Ab April 2003 sind für die Reise 399 Euro fällig.

Und bis zum November geht gar nichts.

n-tv ist selbstverständlich unschuldig. Der Spot wurde bei RTL und für einen Unteranbieter gemacht. Mithin ist auch keiner zuständig – die Reisehotline nicht, die Redaktion nicht, die PR-Abteilung sowieso nicht. Immerhin, n-tv-Chef HelmutBrandstätter leitete meinen Protest („Eindeutig unlauterer Wettbewerb“!) an seine Rechtsabteilung weiter, wo mir ein ziemlich pampiger Herr zu verstehen gab, er habe verstanden. Prima, aber was? Reinhard Siemes

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