Medien : Aus einer anderen Welt

Er malt, und er redet darüber: Bob Ross verzaubert mit „Joy of Painting“, dabei ist er längst tot

Stefan Meyer

Der große Videokünstler Nam June Paik, der einst einen Buddha aus TV-Geräten konstruierte, hätte sich die mantraartige Wirkung einer Fernsehsendung nicht besser ausdenken können. Denn das, was bei „The Joy Of Painting“ auf dem Bildschirm zu sehen ist, hat kultartige suggestive Kraft und ist idealer Kontrapunkt zu Zapping, schnellen Schnitten, Weißblitzen und allem anderen Zerstreuungschaos im Fernsehen. Hier ist alles so beruhigend; Man sieht Bob Ross, den krausköpfigen Maler, stets in Jeans und Hemd, beim Malen und Reden darüber. Das ist alles.

Dabei ist Bob Ross noch immer ein großes Rätsel. Wo kommt er her, was ist er? 1943 wurde er in Orlando/Florida geboren und arbeitete zunächst bei der US Air Force. Danach studierte Ross an verschiedenen Colleges Malkunst und entwickelte seine eigene „Nass-in-Nass“-Maltechnik. In seiner Heimatregion Virginia erkannte der Gouverneur George Allen Bob Ross als besten Präsentator von Kunstprogrammen mit Bildungscharakter an – und erhielt fortan eine Sendung namens „The Joy of Painting“. Seine Verdienste präsentiert Ross seit 1981 in halbstündigen Sessions, die mittlerweile auch in Deutschland auf dem Spreekanal und BR-Alpha laufen. Frei nach seinem Motto „Die Malerei ist nicht nur etwas für Auserwählte, sondern für alle“ zaubert er aus Klecksen und Verwischungen komplette Landschaften, die nicht frei von Kitsch sind, aber schnell gemalt und dadurch überzeugend.

Jörg Lösel, beim BR-Alpha verantwortlich für „The Joy Of Painting“: „Ich selbst male zwar nicht und habe mich auch noch nicht durch die Sendungen dazu verleiten lassen. Aber ich finde, Bob Ross ist ein wunderbares Beispiel für die ,Entschleunigung‘, die unsere Gesellschaft vielfach dringend braucht.“

Seit Herbst 2001 läuft „The Joy of Painting“ auf BR-alpha. „Zunächst hatten wir nur eine Ausstrahlung auf einem wechselnden Sendeplatz am Samstag spät abends, aber bald waren die Reaktionen auf diese Sendungen schon so stark, dass wir weitere Staffeln nachkauften, den Sendeplatz änderten und die Sendungen inzwischen auch täglich in der Nachtschiene senden“, sagt Jörg Lösel.

Und so wie die Bilder angelegt sind, seien sie tatsächlich in einer halben Stunde zu malen. Doch: „Ob bei der Produktion der eine oder andere Schnitt noch gemacht wurde oder ob da mal unterbrochen wurde, weiß ich nicht.“ Ist ja eigentlich auch egal.Mehr als 400 Folgen sind insgesamt produziert worden. Der Fernseh-Malkurs wurde zu einem gigantischen Unternehmen, das Millionen von Ross-Schülern mit dem nötigen Malwerkzeug, Anleitungsbüchern und Videos ausstattete. Bob Ross ist Kult in Südkorea wie in Iran. Das beweisen auch die vielen Fanpages im Internet, auf denen sich die Fans über Ross’ sonore, fast tranceartige Stimme austauschen, die manchmal wie aus einer anderen Welt wirkt.

Und das ist sie auch. Bereits am 4. Juli 1995 starb Ross mit nur 51 Jahren an Lymphknotenkrebs.

„The Joy Of Painting“ auf BR-alpha: täglich um 1 Uhr, samstags 18 Uhr 15. Spreekanal: dienstags um 22, freitags um 21 Uhr.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben