Aus für Aust : Zu viel "Altmännerschweiß" im "Spiegel"?

Reaktionen auf das Aust-Finale

Wo ist Stefan Aust? Auf Bali, im Urlaub, bis zum 25. November, da mögen seine Feinde beim „Spiegel“ in Hamburg anstellen, was sie wollen. Am Donnerstag haben ihn die Gesellschafter mit 8 : 0 Stimmen als „Spiegel“-Chefredakteur abserviert – Austs Vertrag läuft damit zum 31. Dezember 2008 aus. Dieser Entschluss löst im Haus an der Brandstwiete Freude, aber auch Ärger aus. Die größten Kritiker der Aktion sind bei Spiegel TV zu finden, dem TV-Produktionsunternehmen des Verlags und das „Kind“ von Stefan Aust. Spiegel TV ist in schweres Wasser geraten, was nicht wenige Mitarbeiter an die goldenen Zeiten denken lässt, als Aust Geschäfte und Redaktion führte, ehe ihn der neue „Spiegel“-Geschäftsführer Mario Frank zur Seite drängte.

Sortiert man die Stimmen in der Redaktion des Nachrichtenmagazins, dann sind Alt und Jung durch eine feine Linie getrennt. Bei aller Abneigung gegenüber einem Chefredakteur Aust, der zwar nicht in autistischer, wohl aber in austischer Manier zu herrschen pflegt, gibt es doch eine Reihe „Ansager“, die mit Aust das Blatt gemacht und die Redaktion geführt haben.

Jüngere Kräfte hingegen wollen in den Titelgeschichten der letzten Wochen und Monate einen „Altmännerschweiß“ geschnuppert haben. Motto: Die Geschichte des heute 61-jährigen Stefan Aust als Geschichten des heutigen „Spiegel“, als da wären RAF, 68er, gerne auch die Nazizeit. Retrospektive statt Zukunft. In einer Sache sind sich beide Seiten aber wieder einig: dass über die Personalie entschieden wurde und sie an die Öffentlichkeit gelangte, während Aust im Urlaub war, wird heftig kritisiert. Im Mittelpunkt steht dabei Armin Mahler, Sprecher der Mitarbeiter KG. Er habe sich unprofessionell verhalten, wird ihm vorgeworfen. Selbst die „Spiegel“-Konkurrenz zeigt sich empört. „Focus“-Chef Helmut Markwort bezeichnete gestern die Mitarbeiter KG als „Meute“, die einen verdienten und erfolgreichen Chefredakteur verjage. Mahler selbst hatte den Verlauf der Entscheidung als unglücklich bezeichnet. Währenddessen wird über mögliche Nachfolger für Aust diskutiert. Immer öfter genannt wird Mathias Müller von Blumencron, Chefredakteur von Spiegel Online. jbh/sop

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