Medien : Aus für „die coole Maus“

Die neuen Krimi-Rollen der Barbara Rudnik

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Der Krimi „Tod im Park“ überzeugte die Kritiker und schlug das breite Publikum in seinen Bann. Mit 6,22 Millionen Zuschauern war es 2003 der erfolgreichste ZDFFernsehfilm am Montag. Eine Polizeipsychologin fahndet und findet die Lösung in der DDR-Vergangenheit. Martin Eigler und Sven Poser gelang es, die Spannung eines Krimis mit der Melancholie eines Psychodramas zu verbinden. Barbara Rudnik brillierte als Hannah Schwarz, die nicht nur um die Verletzungen der Seele anderer weiß. Nicht zuletzt der große Erfolg von „Tod im Park“ im Osten hat das ZDF bewogen, Rudnik weiter in Mecklenburg-Vorpommern ermitteln zu lassen. Heute um 20 Uhr 15 zeigt das ZDF das zweite „Solo für Schwarz“: „Tod im See“.

Frau Rudnik, bleiben Ihre „Solos“ weiterhin so extrem subjektiv und privat?

Auch die dritte Geschichte wird noch im engen Umfeld der Heldin stattfinden. Nach dem Vater, jetzt dem Freund wird sich der nächste Fall um ein Kind drehen. Danach wird Hannah Schwarz in ganz Mecklenburg-Vorpommern zu tun haben. Ihre Einsätze werden dann offizieller und nicht mehr so viel mit ihr privat zu tun haben. Das wäre einfach auch zu unglaubwürdig.

Wie gefällt Ihnen die Herangehensweise der Filme, die Schuld des Einzelnen verstehen zu wollen und sie gegebenenfalls auch zu vergeben?

Das hängt von der Schuld ab. Schuldfragen sind auf jeden Fall aber immer sehr spannende Fragen. Es ist oft schwer zu beantworten, ab wann jemand schuldig ist. In Krimis haben wir lange Zeit zu viel Mitleid mit den Tätern gehabt und haben darüber die Opfer vergessen. Schwierig ist es auch, wenn es um straffällige Kinder geht. Was ist da der richtige Weg? Alles zu verstehen oder klare Grenzen zu setzen? Das sind komplizierte Fragen, die lassen sich nicht grundsätzlich beantworten.

Wie wichtig ist es, dass „Solo für Schwarz“ eine aufklärerische Funktion erfüllt?

Worum es bei uns geht, Stasi-Mitarbeit, inwieweit war jemand mit dem Regime konform oder in dessen Machenschaften verstrickt - das finde ich schon wichtig. Der Westen hat ja nicht besonders viel Ahnung vom Osten, maßt sich aber an, ein Urteil zu fällen. Da mal etwas über bürokratische Abläufe, über Karrieren und persönliche Befindlichkeiten zu erfahren ist nicht das Schlechteste. Es dürfen nicht alle Biografien über einen Kamm geschert werden. Es muss differenziert werden.

Wie entwickelt sich der Fernsehfilm?

Der deutsche Fernsehfilm steht im internationalen Vergleich ganz weit oben. Trotzdem finde ich, dass es an mutigen Redakteuren fehlt, die für etwas einstehen. Die meisten machen die Einschaltquote zum alleinigen Maß ihrer Arbeit. Sie wollen etwas beweisbar machen, was nicht beweisbar ist. Mit Zahlen lässt sich leichter operieren. Eine Qualitätsdiskussion ist schwerer zu führen.

Aber die Geschichten, die erzählt werden, und Ihr bevorzugter Rollen-Typ hängen eng zusammen.

Ich finde schon, dass die Rollen sich mir und meinen Vorstellungen von dem, was ich spielen will, angenähert haben. Momentan fühle ich mich sehr viel wohler mit den Figuren, die mir angeboten werden, als noch vor zehn Jahren. Früher lief es gern auf das Klischee „gutaussehend und kühl“ hinaus. Jetzt sind das eher Figuren, die einen Schlag abgekriegt und etwas Verletzliches haben und trotzdem eine gewisse Stärke mitbringen. Es ist nicht mehr die coole Maus, die irgendjemanden um die Ecke bringen will, um an sein Geld heranzukommen. Früher ist viel oberflächlicher besetzt worden. Der, der dem Regisseur beim Drehbuchlesen als erstes einfiel, der wurde genommen.

Besteht nicht die Gefahr, wieder abgestempelt zu werden, jetzt als „verletzlich und introvertiert“?

Ich stehe für das reduzierte Spiel, für etwas zurückgezogen und verschlossen. Ich gucke aber schon, dass meine Rollen nicht zu einseitig werden. In meinem letzten Film, „Die Leibwächterin“, von Markus Imboden spiele ich beispielsweise eine temperamentvolle EU-Politikerin, die beruflich nichts umwerfen kann.

Das Interview führte Rainer Tittelbach.

Barbara Rudnik , 46, galt in den 80er Jahren als Hoffnungsträgerin des deutschen Kinos. Karriere aber machte sie im Fernsehen, unter anderem mit „Der Sandmann“ an der Seite von Götz George.

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