Medien : Aus für „Wochenshow“ Blöde Versager

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„Die Wochenshow“ auf Sat.1 soll laut „Sonntags-Express“ nach sechs Jahren eingestellt werden. Die letzte Sendung des witzigen Wochenrückblicks werde am 17. Mai aufgezeichnet und am darauf folgenden Samstag ausgestrahlt. Dann sollen bis zum Beginn der Sommerpause „Sendungen aus der Konserve“ gezeigt werden. Grund sei der Quoteneinbruch nach dem Ausstieg der Mitwirkenden Anke Engelke und Markus-Maria Profitlich vor einem Jahr.dpa

Die Tragödie von Erfurt hat auch etwas Positives: Schröder und Stoiber sind gezwungen, ihre Beschimpfungen zu unterlassen und sich in staatstragender Betroffenheit zu üben. Wie schön, wenn das so bleiben würde – vor allem, was die Werbung zum Wahlkampf angeht. Bis zum 22. September haben die Parteien in Deutschland rund 45 Millionen Euro für die Wahlwerbung verbraten. Etwa 70 % kommen vom Staat als Parteienfinanzierung, mithin vom Steuerzahler.

Dafür darf er sich jede Menge Floskeln anhören: Gesicherte Zukunft, soziale Gerechtigkeit, innere Sicherheit, Arbeit für den Aufschwung, neu geschaffene oder zu schaffende Arbeitsplätze. Unterschiedlich sind nur die Farben der absendenden Parteien. Schließlich funktioniert deutsche Wahlwerbung seit ewigen Zeiten nach dem Prinzip: „Die anderen sind blöde und Versager.“

Im 1998er Wahlkampf ist es der SPD gelungen, dieses Holzhammerkonzept zumindest lebendig, manchmal sogar witzig umzusetzen. Das ist 2002 kaum zu erwarten. Sie ist nicht mehr in der Opposition, sondern steht mit dem Rücken zur Wand. Bleibt zu hoffen, dass die CDU/CSU Pepp in die Wahlwerbung bringt. Ihre Agentur, McCann in Hamburg, ist sicher dazu bereit. Aber ich befürchte, dass Stoiber-Berater Michael Spreng den Scharfmacher spielen wird – eingedenk seiner „Bild am Sonntag“-Vergangenheit. Immer nur den Kanzler anpinkeln wird langweilig, kann auch zu Trotzreaktionen führen. Da ist es effizienter, eine Wahlwerbung frei nach Roland Koch zu machen, also voll gegen Minderheiten. Vorzugsweise jene ohne deutsche Staatsangehörigkeit. Gern auch gegen faule Arbeitslose, die von Schröder dazu gemacht wurden, gegen Schwule, die heiraten dürfen, Heroinkranke, linke Stundenten, Penner und Schwarzarbeiter. Für die SPD prophezeihe ich eine müde Defensiv-Strategie. Die Liberalen werden in alle Richtungen bellen, während die Wahlwerbung der Grünen versucht, aus dem Nichts ein Vakuum zu schaffen. Darauf können wir wunderbar verzichten.Reinhard Siemes

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