Medien : Ausgekuschelt

Erst kam der Erfolg, dann der Rauswurf. Martin Hoffmann verlässt Sat 1, Urs Rohners Favorit übernimmt

Joachim Huber

Dass einer als Mensch einnehmend ist, für seine Sache leidenschaftlich eintritt und eloquent dafür zu werben weiß, das sind keine Kriterien, die eine Karriere retten können, wenn der geschäftliche Erfolg ausbleibt. Martin Hoffmann, der einnehmende, leidenschaftliche und eloquente Fernsehmanager, aber hat Erfolg. Genauer, er hatte Erfolg als Geschäftsführer des Privatsenders Sat 1. Am Donnerstag ist der 42-Jährige abgelöst, nein, hinausgeworfen worden. Wegen seines Erfolgs, trotz seines Erfolgs? Im November hat der Sender mit 13 Prozent Marktanteil in der für die Werbeeinnahmen so entscheidenden Zielgruppe der 14- bis 49-jährigen Zuschauer sein bestes Ergebnis seit über vier Jahren erzielt. Der Abstand zum Marktführer RTL (17,2 Prozent) ist deutlich geschrumpft. Sat 1, und das ist vielleicht die Botschaft im deutschen Privatfernsehen, wird dieses Jahr wieder schwarze Zahlen schreiben.

Zahlen, die von wahrnehmbaren Programm-Erfolgen herrühren. Vorneweg segelt „Das Wunder von Lengede“, das das Image des Senders beim Publikum, insbesondere in der Werbebranche und bei der Kritik spürbar verbessert hat. Sat 1 kann „Eventprogramm“, beileibe nicht nur im fiktionalen Bereich, sondern auch bei der Show: siehe den Casting-Wettbewerb „Star Search“. Natürlich, diese Quotenzieher sind Ausdruck einer erfolgreichen Mannschaft. Ein unbestrittener Coup von Hoffmann war es, den RTL- Showchef Matthias Alberti nach Berlin zu locken. Alberti, mit dem er Erfolge wie „Lenßen & Partner“, „Genial daneben“ oder die „Lego-Show“ entwickelt hat. Und weil die „Hoffmänner“ einen so guten Lauf haben, wird selbst die teure Fußball-Champions- League noch Geld in die Kasse spülen. Sat 1 ist auch bei Hoffmann ein klarer Unterhaltungssender und der mit dem höchsten Kuschelfaktor im deutschen Fernsehen. In den Eigenproduktionen am Dienstag wird derart geschmust, dass die Zuschauerin, die Hoffmann im Blick hat – Mitte 30 und in Familie und Haushalt stark eingespannt – gar nicht anders kann, als wildromantische Gefühle zu entwickeln.

Ein RTL-Mann sagt, Sat 1 habe mit Hoffmann einiges richtig, und – im Gegensatz zur Sat-1-Historie – vieles nicht mehr falsch gemacht. Da stimme jetzt das Profil, da stimme die Programmierung, da stimme selbst die Platzierung von Werbeinseln.

„Verlässlichkeit ist einer der wichtigsten Faktoren der Programmarbeit“, predigt Hoffmann.

Wen hat all das eigentlich gestört? Sat 1 gehört zur Senderfamilie der ProSiebenSat 1 Media AG, nach dem Kirch-Crash wird sie vom US-Investor Haim Saban mehrheitlich besessen und regiert. Saban hat dem Vorstandsvorsitzenden Urs Rohner mit einer Vertragsverlängerung und üppigem Gehaltszuschlag den Rücken gestärkt. Auf Rohners Betreiben musste Hoffmann schon einmal seinen Schreibtisch aufräumen, danach wurde mit Guillaume de Posch ein Saban-und-Rohner- Vertrauter im Berliner Sender installiert.

Und war es nicht Rohner, der Hoffmann zu dem Quotenwunder von Lengede als Erster gratuliert hat? Die unterschwellige Konkurrenz blieb, das Misstrauen auch, der ewige Dualismus zwischen München (Zentrale und Sitz von Pro 7) und Berlin (Sat 1 und N 24) nie aufgehoben. Jetzt hat München „gewonnen“, bei N 24 und Sat 1 ziehen Rohners Parteigänger ein. Aus Sicht der Zentrale war es höchste Zeit zum Handeln, der Aufschwung bei Sat 1 wurde in der Branche, in der Presse öffentlich.

Gerade hat Sat 1 den ewigen Familien-Primus Pro 7 in der Zielgruppe der 14- bis 49- Jährigen überflügelt. Ein erfolgreicher Sender in Berlin könnte ja bei Haim Saban die Frage aufwerfen, ob in München alles richtig gemacht wird. Der Investor will allerorten Rendite sehen, muss er auch, seine Einkaufstour hat er mit Geldern aus US-Pensionsfonds bezahlt.

Während das Gerücht, Hoffmann werde von Roger Schwawinski, 58, abgelöst (ein Schweizer wie Rohner), durch die Medienszene schnellte, ließ die offizielle Pressemitteilung sehr lange auf sich warten. Erstaunlicherweise fehlte die allfällige Formulierung vom „gegenseitigen Einvernehmen“. Die wollte Hoffmann wohl nicht unterschreiben. So viel Heuchelei war beim charakterfesten Sat-1-Chef in der Stunde seiner Demütigung nicht drin.

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