Medien : Ausgetastet – Der Videotext wird 25

Stefan Meyer

Wenn das TV-Programm mal wieder nicht die gewünschte Unterhaltung oder Information bietet, gibt es neben dem Zappen eine wunderbare Alternative, die in diesen Tagen Jubiläum feiert – den Videotext. Seit 25 Jahren gibt es diese Erfindung, also die zwischen der Übertragung des Fernsehbildes auftretende und clever genutzte kurze Austastlücke.

1980 startete die Testphase, und es dauerte immerhin bis 1990, bis der Videotext bei ARD und ZDF zu einer regelmäßigen Einrichtung wurde. Und das, obwohl der Videotext bereits 1976 in England erdacht und im gleichen Jahr ins regelmäßige Programm aufgenommen wurde: Die BBC sah es als notwendig an, für Behinderte Fernsehen mit Untertiteln zu produzieren und benutzte die Technik der Austastlücke und sendete News, Schulfernsehen und weitere Infos über Programm, Musik und Kinofilme.

Heute gehört der Videotext zu jedem passablen Fernsehapparat, insgesamt 90 Prozent aller Geräte in Deutschland sind videotextkompatibel, nachdem man in den achtziger Jahren noch Menschen mit dem teuren videotextfähigen Endgerät suchen musste. So machte es auch der Berliner Ethnologe Werner Bender, der zum Spaß die damaligen Seiten fotografiert und archiviert hat und demnächst ein Buch über die Entstehung des Videotextes plant. „Ich mag dieses reduzierte Design, das mich irgendwie an alte Computer und die Band ,Kraftwerk’ erinnert und auch heute noch angenehm analog und anachronistisch daherkommt.“

Pro Tag nutzen rund neun Millionen Zuschauer den Videotext. Während 43 Prozent der Fernsehzuschauer über 50 Jahre alt sind, befinden sich nur 26 Prozent der Videotextnutzer in dieser Altersgruppe. Insbesondere die 14- bis 39-Jährigen sind überdurchschnittlich bei den Videotext-Lesern vertreten. Das Hauptinteresse gilt tagesaktuellen Informationen. Die Übersichtstafeln mit den Nachrichten aus aller Welt werden von knapp 70 Prozent zumindest gelegentlich angewählt. Das zweitgrößte Interesse finden die Ergebnisse aktueller Sportveranstaltungen. Dass die Wertschätzung für den Teletext vor allem seiner hohen Aktualität zu verdanken ist, erkennt man an der großen Zahl von Nutzern, die sich mit der letzten Meldung auf dem Laufenden halten wollen.

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