Medien : Ausgetüftelt

Nach 22 Jahren stellt der WDR die Sendung „Computerclub“ ein

Kurt Sagatz

Im Jahr 1981 gab es nur wenige Apple- Rechner, die Personal-Computer-Ära hatte gerade erst begonnen. Da strahlte der WDR zum ersten Mal jenes Format aus, das später gerne als „die Mutter aller Computersendungen“ bezeichnet wurde. Dem Hacken von Computern – aus sportlichen Motiven – waren die beiden Wolfgangs selbst nicht abgeneigt. Vor zwanzig Jahren, lange vor dem Siegeszug des Internets, kümmerte sich der von Wolfgang Back und Wolfgang Rudolph moderierte WDR-„Computerclub“ bereits um Themen wie die Anfälligkeit von Computersystemen. Am 22. Februar läuft die einzige Sendung, in der zwei Moderatoren auch mal mit dem Lötkolben in der Hand das Innenleben der digitalen Technik auseinander nahmen, zum letzten Mal.

Der WDR-„Computerclub“ hatte eine treue Fangemeinde. Zwischen 500 000 und einer Million Zuschauer kamen pro Sendung zusammen. Vor allem die Mischung aus Neuheiten und einer kritischen Distanz zur Oberflächlichkeit mancher Computer-Daddelei machte den Erfolg der Sendung aus. Wo andere Formate Werbung für Computer-Gimmicks betrieben, scheuten sich die beiden WDR-Moderatoren nie, den Blick auf das Innenleben der Computer zu werfen. Nirgends sonst wäre beispielsweise eine Schwerpunktsendung zum Thema „Messen, Steuern, Regeln über den USB-Bus“ denkbar gewesen.

Vom Thema verabschieden will sich der Kölner Sender nicht. Vom 20. März an soll die Sendung „Servicezeit Technik“ alle 14 Tage über Computer, Internet und Co. berichten, allerdings ohne die tradtionsreichen Basteleien. Von der attraktiveren Sendezeit (donnerstags um 18 Uhr 20) verspricht sich der Sender, erheblich mehr Zuschauer zu gewinnen. Für Kontinuität soll Wolfgang Back als Redakteur der Sendung sorgen, die künftig von Angelika Schleese und Christoph Tiegel vor der Kamera begleitet wird.

Gut möglich, dass der WDR erst jetzt erfährt, wie populär der „Computerclub“ war, und zwar auch weit über die Landesgrenzen von Nordrhein-Westfalen hinaus. Im Internet sammelt sich derzeit der Protest gegen die Einstellung der Sendung. Die Gästebücher der privaten Homepages von Wolfgang Back und Wolfgang Rudolph laufen seit Tagen über. In mehreren hundert Einträgen äußert sich das Unverständnis über die WDR- Entscheidung. Mehr noch: Mit einer Online- Petition soll jetzt der Internet-Protest gebündelt werden. Zudem wird dazu aufgerufen, WDR-Fernsehchef Ulrich Deppendorf per Mail zum Erhalt der Sendung aufzufordern. Der Sender lässt die Kritik nicht gelten: Mit dem neuen Format trage man der Entwicklung Rechnung, dass Chips nicht nur in Computern, sondern in vielen Bereichen des Lebens Einzug gehalten haben.

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