Auslandsradio : Peking und Ente

Die Deutsche Welle hat die Vorwürfe wegen ihrer China-Berichte als "haltlose" zurückgewiesen. Nun plant der Sender den Ausbau fremdsprachiger Angebote.

Joachim Huber

Die Deutsche Welle (DW) hat Vorwürfe gegen das chinesische Angebot des Senders als „haltlos und nicht hinnehmbar“ zurückgewiesen. Es gebe „keinerlei Hinweise“, dass im chinesischen Hörfunk- und Internetangebot „systematisch im Sinne der Pekinger Führung“ berichtet worden sei. Das habe eine sorgfältige Prüfung des Vorgangs und von mehr als 10 000 Beiträgen ergeben, sagte der Rundfunkratsvorsitzende Valentin Schmidt am Montag in Berlin.

Auslöser der Debatte über die China-Berichterstattung waren Äußerungen der stellvertretenden Redaktionsleiterin des chinesischen Programms, Zhang Danhong, gewesen. Vor den Olympischen Sommerspielen in Peking hatte sie in Interviews die chinesische KP-Führung gegen Kritik in Schutz genommen. Zudem war der Deutschen Welle vorgeworfen worden, im Programm für China gerne Positionen der Pekinger Regierung über-, wenn nicht eingenommen zu haben. Bei der internen Prüfung, sagte Schmidt, seien kritisierte Textstellen mit dem Original in einer externen Übersetzung verglichen worden. Der Rundfunkrat habe einstimmig festgestellt, dass die China-Redaktionen weder Vorschriften noch journalistische Grundsätze verletzt hätten. Schmidt sagte, die Debatte habe eine Dynamik entwickelt, die erstaune. Und er ergänzte: „Ein Pauschalverdacht gegen den Intendanten und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist völlig unangemessen.“

DW-Intendant Erik Bettermann kündigte eine Stärkung des Fremdsprachenangebots des Senders sowie eine verstärkte Neuausrichtung auf ausländische „Informationssuchende“ an. Diese würden vorzugsweise landessprachliche Sendungen oder Englisch als „Lingua franca“ nutzen. Bettermann betonte, „mit der deutschen Sprache lässt sich diese Zielgruppe nicht erreichen“.

Weiterhin versteht sich die Deutsche Welle als „mediale Visitenkarte Deutschlands in der Welt“. Die Finanzausstattung ähnele mehr dem „Offenen Kanal“, meinte der Intendant. Der Auslandssender muss derzeit im Wesentlichen mit den 275 Millionen Euro im Jahr auskommen, die ihm der Deutsche Bundestag aus Steuermitteln zugesteht. Bettermann fordert für die Jahre 2010 bis 2013 einen Zuschlag von rund 78 Millionen Euro. Dafür möchte die Welle, angesiedelt in Berlin (TV) und Bonn (Radio/Online), ihre mediale und politische Bedeutung forcieren in einer Welt, in der Stationen wie CNN oder BBC den Ton angeben.

Die deutschsprachigen DW-Programme, sagte Bettermann, dienten der Darstellung Deutschlands und der Förderung der deutschen Sprache. Für Deutsche, die sich kurzfristig im Ausland aufhalten, verweist die DW auf die dank Digitalisierung wachsende Möglichkeit, Angebote deutscher Inlandsmedien weltweit zu nutzen.

Der Auslandssender will in den kommenden Jahren sein Angebot bei Sprache und Inhalten stärker auf bestimmte Weltregionen – Russland, Lateinamerika, Asien und die arabische Welt – ausrichten. Im Fernsehen strebe die Deutsche Welle zwei Kanäle pro Region an, jeweils vorwiegend auf Deutsch und Englisch sowie Fenster in Regionalsprachen. In einem Probelauf soll für Asien 2009 der englischsprachige Programmanteil auf 18 Stunden erhöht werden. Auch für Lateinamerika und Russland sind Testläufe mit Zusatzangeboten auf Spanisch und Russisch geplant. Joachim Huber

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