Ausspioniert : Cyberattacke aus China

Hacker knacken Googles E-Mail-Dienst GMail. Der neue Fall dürfte die Beziehungen zwischen dem Suchmaschinenriesen und China weiter belasten.

Erneut ist Google Ziel eines Hackerangriffs geworden. Erwischt hat es dieses Mal den E-Mail-Dienst des Internetriesen namens GMail. Hunderte private E-Mail-Konten von US-Regierungsvertretern, Aktivisten aus China, US-Militärs, Journalisten sowie Regierungsvertretern aus mehreren asiatischen Ländern wurden offenbar von chinesischen Hackern geknackt, wie Google am Mittwoch mitteilte. Google hatte sich erst 2010 eine längere Auseinandersetzung mit Peking geliefert, nachdem Hacker versucht hatten, E-Mail-Konten von chinesischen Menschenrechtsaktivisten zu knacken.

Der aktuelle Hackerangriff sei „kürzlich“ entdeckt und gestoppt worden, teilte der für Sicherheit zuständige Google-Manager Eric Grosse in einem Internet-Blog mit. Die Betroffenen seien informiert und ihre Konten wieder gesichert worden. Außerdem habe Google die Behörden informiert. Ziel der Attacke sei es gewesen, vermutlich über das sogenannte Phishing an Passwörter heranzukommen, um den E-Mail-Verkehr der Betroffenen zu überwachen, schrieb Grosse. Mit Hilfe der gestohlenen Passwörter seien etwa Einstellungen zum Weiterleiten von E-Mails verändert worden. Beim Phishing werden Nutzer etwa mit betrügerischen E-Mails zur Preisgabe geheimer Daten gebracht. Das Weiße Haus hat bereits eine Untersuchung eingeleitet, wie ein Regierungsvertreter in Washington sagte. Die US-Regierung habe bislang aber „keinen Grund zu der Annahme“, dass offizielle E-Mail-Konten von Regierungsvertretern geknackt worden seien.

Schon 2009 war Google Ziel einer Cyberattacke aus China. Damals hatten Hacker versucht, E-Mail-Konten von Regimegegnern zu knacken und in Google-Systeme einzudringen. Google prangerte den Vorgang öffentlich an und ging auf Konfrontationskurs mit der chinesischen Führung. Der Konzern wollte sich nicht mehr an die Zensur-Vorgaben Pekings halten. Erst nach langen Verhandlungen und einem Kompromiss wurde Googles Lizenz für die Volksrepublik verlängert. Der neue Fall dürfte das Verhältnis zwischen dem Internet-Konzern und den chinesischen Behörden wieder belasten.Tsp/AFP/dpa

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