Ausstellung : Denkmal der Medien

Das neu eröffnete „Newseum“ in Washington widmet sich dem Glanz und Elend des Journalismus.

Laszlo Trankovits (dpa)/Tsp
Newseum
Frank-Walter Steinmeier und Museumsdirektor Joseph Urschel bei der Eröffnung des "Newseum" vor einem Stück der Berliner Mauer. -Foto: dpa

Das wollte sich Frank-Walter Steinmeier nicht nehmen lassen. Als gestern in Washington das „Newseum“ eröffnet wurde, war der Bundesaußenminister mit dabei und schaute sich die spektakuläre Ausstellung an – die ist weniger den schönen Künsten als den rauhen Wirklichkeiten der Politik gewidmet. Bereits der architektonisch ambitionierte, mächtige Glaspalast an der Pennsylvania Avenue zwischen Kapitol und Weißem Haus signalisiert Sendungsbewusstsein und Symbolkraft dieses weltweit einmaligen Projekts. „Ein Denkmal für die Rolle der freien Presse in der Demokratie“, schwärmen US-Medien wie die „San Antonio Express-News“.

Rund 450 Millionen Dollar (288 Millionen Euro) haben der Träger, die Stiftung „Freedom Forum“ und viele Spender investiert, damit die Medienwelt als „Vierte Gewalt“ mitten in der US-Hauptstadt Flagge zeigen kann. „Unsere Aufgabe ist es, der Öffentlichkeit deutlich zu machen, wie wichtig eine freie Presse für eine funktionierende Demokratie ist“, beschrieb „Newseum“-Vizepräsident Paul Sparrow das Konzept. Die Schau über Glanz und Elend des Journalismus soll die Zuschauer klüger machen, auch „damit sie erkennen, was für einen unglaubwürdigen Mist ihnen manche Medien anbieten“, betonte Al Neuharth (83), erfolgreicher Publizist, Gründer des „Freedom Forums“ ebenso wie der größten US-Zeitung, „USA Today“.

Das Selbstbewusstsein der Museumsgründer zeigt schon der relativ hohe Eintrittspreis von 20 Dollar. Die Macher des „Newseums“ glauben allerdings, dass ihre Schöpfung in Kürze ein Publikumsmagnet wird. Das siebenstöckige Museum schildere nicht nur mit ausgeklügelter Technik die Geschichte des Nachrichtenwesens. Historische Ereignisse wie das Attentat auf John F. Kennedy oder der Ausbruch des Irakkriegs werden dem Zuschauer durch die Medienbrille im Wortsinn noch einmal vor Augen geführt. Das Nachrichtenmuseum offeriert rund 100 ständige Videopräsentationen und mehr als 130 interaktive Stationen. Das „Newseum“ ist nach Angaben der Betreiber damit auch „das interaktivste Museum der Welt“.

In einem der Theater reist der Zuschauer mehrdimensional durch die Geschichte: Künstliche Windböen, Wasserdämpfe und bebende Sitze lassen Reportagen aus Kriegs- und Katastrophengebieten beunruhigend sinnlich erfahrbar werden. Besucher können sich in Fernsehstudios vor Kameras als Reporter erproben oder aber auch als Kameramann. Wer will, schlüpft spielerisch in die Rolle eines Zeitungsredakteurs, eines Fotojournalisten oder Hörfunkkorrespondenten.

Bei einem Gesellschaftsspiel am „Ethik-Tisch“ sollen die Teilnehmer sich heiklen Fragen journalistischer Moral stellen. Ist es noch Journalismus, wenn Reporter dem Popstar Britney Spears hinterherjagen? Dürfen Zeitungen entlarvende Regierungspapiere verwenden, wenn diese gestohlen wurden? „Das Spiel ist fesselnd und macht Spaß, wenn es auch ein wenig verwirrend ist“, meint Sparrow.

Das Museum zeigt außerdem ausführlich, wie Medien über wichtige historische Ereignisse berichteten. Eine eigene Galerie über den 11. September 2001 etwa lässt den Tag der Terroranschläge in den USA noch mal Revue passieren. Zur Illustration der deutschen Wiedervereinigung ist laut Museum auch das größte Stück der Berliner Mauer mit Grenzwachturm ausgestellt, das es außerhalb Deutschlands gibt. Die „Berlin Wall Gallery“ will insbesondere vor Augen führen, wie Nachrichten und Informationen dabei halfen, das DDR-Regime zu stürzen. Dieser Teil des „Newseums“ sollte das Ziel des Besuchs von Außenminister Frank-Walter Steinmeier sein. Laszlo Trankovits (dpa)/Tsp

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