Aust-Nachfolge : High Noon in Hamburg

Bei der Verleihung des "Helmut-Schmidt-Preises" waren gestern alle Anwärter für die Aust-Nachfolge beim "Spiegel" versammelt. Als heißester Kandidat gilt Uwe Vorkötter, Chefredakteur der "Frankfurter Rundschau".

Uwe Vorkötter
Uwe Vorkötter. -Foto: ddp

Dass sich ihre Preisverleihung zu einer Art High Noon für das Casting des nächsten „Spiegel“-Chefredakteurs entwickeln könnte, hatte sich die Bank ING-DiBa nicht träumen lassen. Am Donnerstagabend verlieh sie in Hamburg den „Helmut-Schmidt-Preis“ – und alle Kandidaten, die bisher als Aust-Nachfolger gehandelt werden, sollten dabei sein; inklusive des noch amtierenden Chefredakteurs Stefan Aust sowie Armin Mahler, dem Sprecher der Mitarbeiter KG, die den neuen „Spiegel“-Boss küren wird.

Gabor Steingart, einer der Favoriten und zurzeit „Spiegel“-Korrespondent in Washington, gehörte am Donnerstag zu den wichtigsten Protagonisten. Er erhielt den „Helmut-Schmidt-Preis“ für seine Titelgeschichte „Weltkrieg um Wohlstand“, die 2006 im Wirtschaftsressort des „Spiegel“ erschien. Deshalb war auch Armin Mahler zugegen, der nicht nur Mitarbeiter-KG-Sprecher ist, sondern auch das Wirtschaftsressort leitet.

Mahler wird womöglich die Gelegenheit genutzt haben, sich mit Uwe Vorkötter zu unterhalten. Vorkötter, Chefredakteur der „Frankfurter Rundschau“, gilt derzeit als heißester Favorit für den „Spiegel“-Chefsessel. Zwar soll er noch am Mittwoch im Kreis seiner Mitarbeiter dementiert haben, überhaupt für die einflussreiche Position angefragt worden zu sein. Jedoch, so heißt es, interessiere sich Vorkötter sehr für den „Spiegel“-Job. Dabei hatte er die „Rundschau“ erst im Mai mit der Umstellung aufs Tabloid-Format auf einen neuen Weg gebracht – wenn sich Vorkötter jetzt verabschiedet, wäre das für die Zeitung ungünstig. Zumal seine Stellvertreterin Brigitte Fehrle erst vor Kurzem zur „Zeit“ gewechselt ist.

Auch der Dritte im Favoritenbunde sollte am Donnerstag nicht fehlen: Mathias Müller von Blumencron, Chefredakteur von Spiegel Online. Er soll Wunschkandidat von Mario Frank, dem Geschäftsführer des Spiegel-Verlags, sein. Frank kam vom Verlag Gruner + Jahr zum „Spiegel“. G + J verfügt im Kreise der drei Gesellschafter über 25,5 Prozent der Stimmen und damit über eine Sperrminorität. Jeder Vorschlag für einen neuen Chefredakteur braucht die Mehrheit der drei Gesellschafter, wenigstens aber die Stimmen der Mitarbeiter KG (50,5 Prozent) und des Verlags Gruner + Jahr (25,5 Prozent). Die beiden Anteilseigner sind zum Einvernehmen verdammt. Käme Müller von Blumencron in die engste Wahl, dann kann sich dieser Gabor Steingart an seiner Seite vorstellen, wohl in Doppelspitze oder als Stellvertreter. Steingart ist für die Mitarbeiter KG jedoch ein schwieriger Fall. Bei der jüngsten Wahl ihrer Geschäftsführung erhielt Steingart nur 69 Stimmen. Die Spitze der Mitarbeiter KG würde mit der Kür von Steingart all jene schwer enttäuschen, die gegen Steingart und für Armin Mahler und Marianne Wellershoff gestimmt hatten.

Mahler war zwar bereits am Mittwoch in Frankfurt – aber nicht um Vorkötter zu treffen, sondern Josef Ackermann, den Chef der Deutschen Bank.

Joachim Preuß, einer der beiden Stellvertreter von Aust, hat jetzt gekündigt. Er will zusammen mit Stefan Aust den „Spiegel“ verlassen. jbh/sop

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