Auszeichnung : "GuttenPlag Wiki" gewinnt Grimme Online Award

Die Internet-Plattform "GuttenPlag Wiki" ist mit einem der renommierten Grimme Online Preise ausgezeichnet worden. Die Website hatte wesentlich zur Aufdeckung der Plagiate in der Doktorarbeit des Ex-Verteidigungsminister zu Guttenberg beigetragen.

Das Foto zeigt die Internetseite "GuttenPlag Wiki" am 01.03.2011.
Das Foto zeigt die Internetseite "GuttenPlag Wiki" am 01.03.2011.Foto: dpa

Die freiwilligen Mitarbeiter des "GuttenPlag Wiki" erhalten die Auszeichnung in der Kategorie “Spezial“ für die Idee, Initiative und Autorenschaft. Die Website habe wesentlich zur Aufdeckung der Plagiate in der Doktorarbeit von Ex-Bundesverteidigungsminister zu Guttenberg beigetragen, begründete das Grimme-Institut die Ehrung. Die Jury lobte die "faire und unvoreingenommene Arbeitsweise der Administratoren des Wikis". Das Projekt mache deutlich, dass Textvergleiche gut kollaborativ organisiert werden könnten und welche Möglichkeiten das Netz für gemeinsames Arbeiten biete.

"Die diesjährigen Preise belegen, welche Bandbreite es im Internet gibt", sagte Uwe Kammann, Leiter des Adolf-Grimme-Instituts, bei der Verleihung am Mittwochabend in Köln. Dies gelte auch für die Gestalter und Anbieter der Online-Angebote. Es müssten nicht unbedingt starke Häuser sein. Auch Einzelpersonen böten hervorragende publizistische Inhalte und Formate.

Die Plagiatsaffäre - Guttenberg bis zum Schluss
1. März 2011: Karl-Theodor zu Guttenberg bei seinem Abgang aus dem Amt des Bundesverteidigungsministers. Die Universität Bayreuth wirft ihm Anfang Mai "vorsätzliches wissenschaftliches Fehlverhalten" vor. Er habe "die Standards guter wissenschaftlicher Praxis evident grob verletzt und hierbei vorsätzlich getäuscht."Weitere Bilder anzeigen
1 von 54Foto: Reuters
06.05.2011 14:321. März 2011: Karl-Theodor zu Guttenberg bei seinem Abgang aus dem Amt des Bundesverteidigungsministers. Die Universität Bayreuth...

Neben "GuttenPlag Wiki" werden sieben weitere Online-Angebote mit dem Preis des Grimme-Instituts für publizistische Qualität im Netz ausgezeichnet. In der Kategorie Information prämiert die Jury zwei Angebote: "DRadio Wissen" (Deutschlandradio) erhält den Preis für das Konzept und die Redaktion. Die Jury überzeugte die "ganz besondere Art, Radio und Internet miteinander zu verbinden".

Ausgezeichnet für die Idee und Redaktion seines "law blog" wird Udo Vetter. Der Anwalt berichte über seinen Alltag als Strafverteidiger und räume auf mit Vorurteilen über die trockene Juristerei.

Auch "Neusprechblog" und "Prison Valley" ausgezeichnet

Der Grimme Online Award Wissen und Bildung geht laut Jury an zwei besonders innovative Seiten: das "Neusprechblog" für die Autorenschaft und "Prison Valley" für das Konzept und die Umsetzung.

Das "Neusprechblog" - benannt in Anlehnung an George Orwells Roman "1984" - sei der verklausulierten Sprache in der Tagespolitik und im politischen Diskurs auf der Spur. Die Autoren Martin Haase und Kai Biermann entlarvten Worthülsen und verbale Verschleierungstaktiken. "Daher ist das 'Neusprechblog' nicht nur ein Angebot für Sprachfetischisten, sondern für den politischen Menschen, also für uns alle", urteilte die Jury.

Der Journalist David Dufresne und der Fotograf Philippe Brault porträtieren in "Prison Valley", einer Webdokumentation von ARTE, einen Ort in den USA, in dem Gefängnisse der wichtigste Wirtschaftsfaktor sind. Ausgehend von einem bedrückenden wie faszinierenden Dokumentarfilm könnten die Nutzer auf eine ungewöhnliche und interaktive persönliche Entdeckungstour gehen.

"Reisedepesche" und "wortwuselwelt" überzeugten die Jury

In der Kategorie Kultur und Unterhaltung wurden zwei Angebote prämiert, die nach Jury-Angaben vor allem durch ihre besondere Ästhetik, Interaktivität und Nähe zu den Nutzern überzeugten: das Reiseblog "Reisedepesche" und die Kinderwebsite "wortwuselwelt".

In der Kategorie Spezial prämierte das Grimme-Institut zwei politisch relevante und viel diskutierte Angebote. Die freiwilligen Mitarbeiter des "GuttenPlag Wiki" erhalten die Auszeichnung für die Idee, Initiative und Autorenschaft. Die Jury lobte die "faire und unvoreingenommene Arbeitsweise der Administratoren des Wikis". Die zweite Auszeichnung geht an das Projekt "Verräterisches Handy: Was Vorratsdaten über uns verraten" von "Zeit Online". Das Ergebnis sei ein hervorragend umgesetztes interaktives Angebot, welches eindrücklich veranschaulicht, was Vorratsdatenspeicherung für jeden Einzelnen bedeutet.

Den Publikumspreis gewann "GameOne.de", die seit 2009 bestehende Website zur MTV-Fernsehsendung "Game One". Auf die Plätze zwei und drei wählte das Publikum "GuttenPlag Wiki" und "Law Blog". Über 170.000 Stimmen waren eingegangen. (dapd/rtr/dpa)

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