Autorenstreik : „Finanzieller Druck ist abartig“

Deutschland ist sicher nicht Hollywood, aber der Streik der US-Drehbuchautoren wirft auch ein Licht auf die Lage deutscher Schreiber. Am Mittwoch demonstrierten ein paar Dutzend von ihnen vorm Brandenburger Tor für bessere Rechte und mehr Rechte am Drehbuch. Ein Einzelfall. Normalerweise treten deutsche Autoren kaum solidarisch in Erscheinung. Warum eigentlich? Einer, der es wissen muss, ist Benedikt Röskau. Der Münchner Autor ist organisiert im Verband Deutscher Drehbuchautoren (400 Mitglieder), hat das Buch für den „Contergan“-Film geschrieben, der am Donnerstag einen Bambi erhielt. „Was bedeutet denn Kampf? Die Lokführer haben die Möglichkeit zu streiken, mit ungeheurer Wirkung. Wenn wir das tun, kommen aus jeder Ecke andere Autoren und stopfen die Löcher.“ Generell sei der Zusammenhalt deutscher Autoren nicht so groß wie in den USA, wo die Mitgliedschaft in der „Writers Guild“ vorgeschrieben ist. „Wer drüben nicht an dem Streik teilnimmt, wird nie wieder einen Auftrag bekommen. Hier ist niemand gezwungen, in der Branche organisiert zu sein. Wir sind austauschbar.“

Es ist immer wieder auffällig, wie wenig Autoren am Erfolg eines Filmes oder einer Serie beteiligt sind, nicht nur finanziell. Geschichtenschreiber kriegen selten Bambis oder Grimme-Preise. Das steht selbst bei erfolgreicheren Autoren wie David Safier („Berlin, Berlin“) oder Röskau im krassen Missverhältnis zur Arbeit, von den hunderten Autoren ganz zu schweigen, die von ihrem Schreiben überhaupt nicht leben können. „Der finanzielle Druck für einen deutschen Autoren ist abartig.“ Röskau hofft, dass sich mit einem Zusammenschluss der deutschen Produzenten Lage und Ansehen der Schreiber ändert. Zurzeit bekommen deutsche Autoren für ein 40-seitiges Treatment 3000 bis 4000 Euro, „dabei steckt da fast die ganze Arbeit drin“, so Röskau. An der Weiterverwertung durch digitale Rechte sind Autoren auch nicht angemessen beteiligt. Schon jetzt müssen sie normalerweise alle Rechte an der Internetnutzung von Filmen abtreten, erhalten dafür aber nicht mehr Geld. meh

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