Autorin Beate Wedekind : "Eklats helfen enorm"

"Bambi" und andere – Organisatorin Beate Wedekind sprach mit dem Tagesspiegel über Wahn und Wirklichkeit von Medienpreisen.

Frau Wedekind, heute Abend wird der "Bambi" zum 60. Mal verliehen. Werden Sie am Ort des Geschehens, im badischen Offenburg sein?

Nö. Ich schau mir "Bambi" im Fernsehen an, der Champagner steht schon kalt. Vor 20 Jahren hab ich die 40. Verleihung in Offenburg organisiert, wir haben es damals in der badischen Provinz sehr ordentlich krachen lassen.

Nach unserer Recherche werden in Deutschland pro Jahr über 600 Medienpreise verliehen. Halten Sie diese Zahl für übertrieben?

Aber ja. "Bambi" genießt für mich aber so was wie Artenschutz. Das ist die Urmutter aller Medienpreise, war übrigens - wie die "Goldene Kamera" auch - ursprünglich ein reiner Film- und Fernsehpreis. Alle anderen Medienpreise sind mehr oder weniger gut, respektive schlecht gemachte Plagiate dieser zwei.

Sie haben den "Bambi", "Die Goldene Kamera", den "Laureus World Sport Awards" organisiert. Nach welchen Kriterien werden die Preisträger nominiert und ausgewählt?

Nach sehr unterschiedlichen. Bei "Bambi" entscheidet ein kleines Gremium rund um Verleger Hubert Burda, da wird nix von einer Jury vorgegaukelt. Die "Goldene Kamera" hat eine "Experten"-Jury, die ist eher willkürlich zusammengewürfelt. Früher gab es da mal eine Jury, die aus - fast - allen ehemaligen "Goldene Kamera"-Preisträgern bestand, da stimmte geballte Kompetenz und Emotion ab, das fand ich besser. Bei "Laureus" ist es eine "Akademie" der weltbesten Sportler-Legenden und Koryphäen des Sportjournalismus. Die für mich einzig gültige Jury, das Publikum, wird bei all diesen Preisen nur in Ausnahmefällen befragt. Die Veranstalter wollen das Zepter ungern aus der Hand geben. Damit sich das ändert, arbeite ich gerade mit einigen Kino-Spezialisten an einem Preis, über dessen Vergabe ganz demokratisch ausschließlich das Publikum entscheidet. Die Idee hatte Til Schweiger, der heute Abend übrigens einen "Bambi" bekommt, als Publikumsliebling natürlich.

Honorieren Medienpreise wirklich Medienleistungen?

Nein, sie honorieren das, was bestimmte Gremien für Leistung in den Medien halten, siehe oben. Was wirklich beim Publikum Spuren hinterlässt, wird mit Fleiß ignoriert.

Wer im Februar eine "Goldene Kamera" bekommt, der darf im November keinen "Bambi" bekommen, richtig?

Umgekehrt wird ein Schuh draus: Wer im November schon einen "Bambi" bekommen hat, der steht nicht so richtig weit oben auf der "Goldenen Kamera"-Wunschliste. Was internationale Stars angeht: Die kommen auch nicht zwei Mal...

Was ist die ultimative Herausforderung bei der Organisation eines Medienpreises?

Die Sitzordnung! Preisträger, Laudatoren, Gastgeber sitzen selbstverständlich in den ersten Reihen. Aber wer kommt dann? Und wehe einer, der meint, besonders wichtig zu sein, sitzt nicht in einer "Kameraposition", das heißt, Mutti wird ihn nicht in der Fernsehsendung im Publikum entdecken können, dann gibt''s anschließend Krieg. Ich hab da schon Stories erlebt, die sind nicht druckreif, von Beschimpfungen per SMS noch aus der Live-Veranstaltung heraus bis zu Schmähbriefen. Eitelkeit ist bei solchen Veranstaltungen das Maß aller Dinge.

Stimmt die Beobachtung, dass in der Sintflut der Auszeichnungen nur die Verleihung halbwegs in Erinnerung bleibt, die mit einem Eklat verbunden ist? Also 2008 der Deutsche Fernsehpreis mit Marcel Reich-Ranicki, der den Ehrenpreis vor laufenden Kameras abgelehnt hat.

Eklats helfen enorm. Ich erinnere mich noch an eine "Goldene Kamera"-Verleihung, während der Dietmar Schönherr neun Minuten lang dem Publikum über den Holocaust die Leviten gelesen hat. Das ging tagelang durch alle Schlagzeilen. Das half der Quote, dem Ansehen des Preises, auch Dietmar Schönherr, dem so die Aufmerksamkeit von Steven Spielberg sicher sein konnte, der im Saal saß. Letztes Jahr die unsägliche Dankesrede beim "Bambi" von Tom Cruise, die hat, glaube ich, eher alle verprellt. Schaun wir mal, was heute passiert. Vielleicht gibt Harald Schmidt ein paar Zoten von sich, das wär schon mal was.

Wenn Burda den "Bambi"" verleiht oder Springer "Die Goldene Kamera", werden in den Wochen zuvor die Preisträger Name für Name bekannt gegeben. Ist das eine geschickte PR oder eine Nerv-PR?

Ich persönlich finde das eine falsche Strategie. Es nimmt viel von der Spannung weg, die ja eigentlich vor so einer Preisverleihung herrschen sollte. Aber: Da die meisten Preisträger aus Termingründen frühzeitig feststehen (und meist auch nicht ihren Mund halten können), geht man halt mit der Neuigkeit schnell raus. Dann kann wenigstens nichts mehr anbrennen, dann hat man den Preisträger sozusagen öffentlich "festgenagelt" - er kann nicht mehr abspringen. Was besonders internationale Stars schon mal tun, weil sie plötzlich keinen Bock mehr auf eine Reise nach Deutschland haben oder der Film, den es zu promoten gilt, nicht so wirklich gut läuft...

Nach Ihrer Erfahrung: Haben Medienpreise den gewollten Werbeeffekt?

Aber ja, die ganze Fernsehnation spricht ja zumindest ein paar Tage drüber. Und nicht zu unterschätzen ist der Effekt als Incentive, also als Belohnung, für verdiente Kunden und Geschäftspartner der jeweils hinter dem Preis stehenden Medien, also "Hörzu" bei der "Goldenen Kamera", die "Bunte" bei "Bambi".

Gibt es Auszeichnungen, die man unbedingt ernst nehmen muss?

Das Bundesverdienstkreuz, das kriegen nur Medienleute, die wirklich was geleistet haben, oder?

Keiner kennt die Geheimnisse dieser Trophäen und ihrer Vergabe besser als Sie. Trotzdem haben Sie selber noch keinen Medienpreis bekommen. Ist das ungerecht oder das höchste Lob?

Wer nix kriegt, der muss sich was besorgen: Ich habe einen der sechs "Bambis" von Rock Hudson, den habe ich mal in einem Trödelladen in Paris (!) entdeckt. Ach ja, und eine Goldene Kamera habe ich doch auch, "verliehen" von "Hörzu" als Dankeschön für zehn Jahre Knochenarbeit hinter den Kulissen.

Das Interview führte Joachim Huber.

"Bambi 2008", 20:15 Uhr, ARD. Beate Wedekind wird die Verleihung live auf ihrem Blog www.beatewedekind50plus.blog.de mitverfolgen.

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