Medien : Axel Springer Verlag: Döpfners Denkwerk

Ulrike Simon

Von wegen Ruhe! Nichts wünscht sich der Axel Springer Verlag mehr als Ruhe, Eintracht und Harmonie. "Zu Spekulationen über Personalien nehmen wir grundsätzlich keine Stellung", ist ein Zitat, dass jeder Medienjournalist auswendig kann und automatisch der Springer-Pressestelle zuordnet. Und was sagte der Vorstandsvorsitzende August "Gus" Fischer jüngst? Er sprach davon, dass die derzeitige Zusammensetzung des Vorstandsteams von Dauer sein werde. Das Wort "Kontinuität" klingt noch in den Ohren. Es hilft nichts, Springer ist und bleibt ein großer, bunter Zirkus, das Kommen und Gehen auf der Manege lässt keine Langeweile aufkommen, und deshalb guckt man auch so gern und interessiert zu, was es denn wieder Neues gibt im Zirkus Springer.

Was bisher geschah: Fischer wurde zuletzt nicht müde zu betonen, dass Mathias Döpfner, 38, als sein Nachfolger feststeht, ab 1. Januar 2002 Vorstandsvorsitzender des Verlages ist, und damit basta. Und zwar mit der unter seiner, also Fischers, Führung neu zusammengestellten und zugleich verjüngten Vorstandsmannschaft. Es dauerte nur ein paar Tage, und weg war er, der Finanzvorstand Ralf Kogeler, 40. Es sei das gute Recht von Döpfner, sich auszusuchen, mit wem er arbeiten wolle, hieß es. Der als "Kirch-Mann" geltende Kogeler gehörte nicht dazu. Nachfolger sollte ein Externer werden. Jemand, der nicht aus dem Haus kommt. Unvorbelastet ist. Jemand, der noch nicht in den Strippen und Schlingen des Springer-Zirkuszeltes verfangen ist, auf alle Fälle aber mit Döpfner kann. Am Freitag fand im Berliner Hochhaus des Axel Springer Verlages die dafür notwendige außerordentliche Aufsichtsratssitzung statt, auf deren Tagesordnung die Berufung des neuen Finanzvorstandes stand. Und nicht nur die. Die Vorstandsebene wird mit Wirkung zum 1. Januar 2002 nämlich neu strukturiert. "Schon jetzt weiß das Haus also, wie die Strukturen künftig aussehen werden", gibt sich Springer-Sprecherin Edda Fels überzeugt.

Und nun zu den Neuigkeiten: Die in der Hierarchie wichtigste Personalie ist jene von Rudolf Knepper. Er ist das mit 56 Jahren älteste, aber auch das dienstälteste Vorstandsmitglied - und das erfolgreichste noch dazu, wenn man sich die Zahlen des gerade abgeschlossenen, für Springer nicht ganz so erfolgreichen Geschäftsjahres 2000 anschaut. Knepper wurde am Freitag zum künftigen Stellvertreter des Vorstandsvorsitzenden berufen. Von Edda Fels wird dies als "Signal für den Generationen-Pakt" interpretiert. Schließlich hieß es in letzter Zeit immer wieder, der Verlag werde von "unerfahrenen Bengels", von "jungen Wilden" geführt. Knepper wird zuständig bleiben für das Ressort Technik, das dann um die Bereiche Vertrieb und Logistik erweitert wird.

Die für die Medienbranche spektakuläre Personalie ist jene von Steffen Naumann. Er wird Vorstand "Zentralabteilungen". Der 34-Jährige kommt von Bertelsmann, wo er als Nachfolger des langjährigen Finanzvorstands Siegfried Luther feststand. Die Gütersloher müssen nun einen Anderen suchen. Bei Springer übernimmt er von Ralf Kogeler, der zum 30. Oktober geht, die beiden Ressorts Finanzen und Strategische Unternehmensplanung. Hinzu kommen die bislang vom Vorstandschef betreuten Bereiche Marketing Services sowie Gesellschafts- und Kartellrecht. Naumann ist derzeit noch Vorstand vom Bertelsmann-Publikumsverlag Random House in New York. Zuvor war er bei der Unternehmensberatung McKinsey und Assistent des früheren Bertelsmann-Vorstandschefs Mark Wössner, der in Gütersloh in Ungnade gefallen ist.

Nach der hierarchisch wichtigsten und der spektakulärsten fehlt nun noch die prominenteste Personalentscheidung. Vor vier Wochen antwortete der Produzent und Ex-Moderator der "NDR Talk Show" Hubertus Meyer-Burckhardt, 45, im Tagesspiegel auf die Frage, ob was dran sei an dem Gerücht, er werde bei Springer Multimedia-Vorstand: "Sehen Sie hier auf meinem Schreibtisch irgendwo einen PC? Das liegt daran, dass ich das Internet nicht so wahnsinnig spannend finde". Multimedia-Vorstand wird Meyer-Burckhardt tatsächlich nicht. Denn dieses Ressort gibt es künftig nicht mehr bei Springer. Döpfner behält auch als Vorstandschef die Verantwortung für das Zeitungsgeschäft sowie die Online-Zeitungsmarken, Andreas Wiele kümmert sich um das komplette Zeitschriftenressort. Meyer-Burckhardt, derzeit Vorsitzender der Geschäftsführung der zur Hälfte Springer gehörenden Produktionsfirma Multimedia, wird künftig - abgesehen von den Bereichen Buch, Radio und TV - als Vorstand auch für "nicht print-gebundene Internet-Aktivitäten" verantwortlich sein.

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