Medien : Axel Springer Verlag: Zerrüttete Verhältnisse

jbh

Für die Unternehmenskommunikation des Axel Springer Verlages war gestern ein verflixter Montag. Anfrage auf Anfrage ging in der Abteilung ein. Aber nur dürre Antworten kamen heraus, weil die weitergeleiteten Anfragen ohne Antwort blieben. Thomas Garms, Chefredakteur der "Welt am Sonntag", sei nicht zu erreichen gewesen, sagte eine Verlagssprecherin. So hält sich denn ein Verdacht. Der Verdacht, dass die Familie Boenisch beim Axel Springer Verlag derzeit ganz schlechte Karten besitzt. Peter Boenisch befindet sich mit seinem früheren Arbeitgeber im Rechtsstreit. In der vergangenen Woche hat der frühere "Bild"-Chefredakteur eine Klage zum Schutz gegen seine Kündigung als Berater und Autor des Axel Springer Verlages eingereicht. Am Sonntag erschien die "Welt am Sonntag" ohne die regelmäßige Plauder-Kolumne "Es ist Sonntag" von Julia Boenisch, Ehefrau von Peter Boenisch. Unbestritten ist, dass Julia Boenisch ein Manuskript über den Handy-Wahn abgeliefert hatte. Die Chefredaktion der "WamS" sei damit nicht einverstanden gewesen, heißt es aus dem Verlag. Julia Boenisch lieferte einen zweiten Text, auch er blieb ohne Abdruck. Nach der Argumentation des Verlages wäre dieses sehr spät eingereichte Manuskript über eine Mutter, die ihr Kind ausgesetzt hat, auf eine Doublette in der aktuellen Ausgabe hinausgelaufen.

Es ist nicht unbedingt ein ungewöhnlicher Vorgang, dass Manuskripte nicht gefallen oder nicht passen. Ungewöhnlich in diesem Falle sind die möglichen Zusammenhänge. Der Nichtabdruck der Texte von Julia Boenisch nährt eben den Verdacht, dass der Name Boenisch in Springer-Zeitungen nicht auftauchen soll, obwohl Verlagssprecherin Carola Schmidt jeden Zusammenhang zwischen dem Vorgang Julia Boenisch und dem Rechtsstreit Peter Boenisch ausschloss. Bleiben zwei Anfragen an den Springer-Verlag: Ist Julia Boenisch weiterhin Kolumnistin der "Welt am Sonntag", ist Peter Boenisch zur Hauptversammlung des Axel Springer Verlages am Mittwoch eingeladen?

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