Medien : „AZ“ vorerst gerettet

Verleger Martin Balle kauft Boulevardzeitung.

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Die Rettung für die Münchener „Abendzeitung“ erfolgte quasi in der Verlängerung. Nachdem eine erste Frist Anfang des Monats ausgelaufen war, hat Insolvenzverwalter Axel Bierbach am Dienstag nun mit dem niederbayerischen Verleger Martin Balle doch noch einen Käufer für das Boulevardblatt präsentieren können.

Balle, der das „Straubinger Tagblatt“ herausgibt und mehrere Regional- und Lokalzeitungen in Niederbayern verlegt, übernimmt sowohl die gedruckte Zeitung als auch deren Internetauftritt. Der Münchner Verleger Dirk Ippen („Münchner Merkur“, „tz“) sowie der Süddeutsche Verlag hatten sich hingegen nur für die Webseite der „Abendzeitung“ interessiert.

Das traditionsreiche Boulevardblatt hatte den Insolvenzantrag Anfang März stellen müssen. Die Eigentümerfamilie Friedmann sah sich nicht mehr in der Lage, weitere Mittel zuzuschießen. Seit 2001 hatten sich nach Angabe des Verlages Verluste in Höhe von 70 Millionen Euro angehäuft. Die „Abendzeitung“ konkurriert in München mit der „tz“ von Ippen sowie mit der „Bild“-Zeitung und deren Regionalteil.

Der neue „Abendzeitung“-Verleger Balle will das Blatt zunächst mit 25 der bislang rund 100 Mitarbeiter weiterführen. Für den überregionalen Teil der Zeitung soll die „AZ“ Texte aus Balles „Straubinger Tagblatt“ übernehmen. Weiteres Einsparpotenzial will Balle erschließen, indem er die „Abendzeitung“ in der eigenen Druckerei herstellen lässt, dann allerdings im kleineren „Berliner Format“.

Im Vorfeld hatte Balle angekündigt, aus der Zeitung ein Boulevard-Heimatblatt machen zu wollen, das sich an die Zielgruppe Familie richte und vor allem am Wochenende viele Veranstaltungstipps enthalten solle. Die Herausgeberschaft will sich Balle mit dem Münchener Juristen Dietrich von Boetticher teilen. Der Wirtschaftsanwalt hatte den Literaturverlag Luchterhand vor dem Verkauf an Random House saniert. Kurt Sagatz

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