Medien : Badische Balance

Burda hält sein Geschäftsergebnis dank unterschiedlicher Erlösquellen

Ulrike Simon

Jürgen Todenhöfer, früher CDU-Politiker, heute Vizevorstandschef des Burda-Verlags, verteilte am Montag Komplimente. Bauer sei der wirtschaftlichste Verlag Deutschlands, Springer jener mit dem größten Potenzial, sagte er. Und was ließe sich über Burda sagen? Vielleicht, dass es der sportlichste Verlag ist. In nur acht Stunden hatte es Burda-Manager Reinhold G. Hubert geschafft, beim Verleger die Entscheidung über die Einführung einer neuen Zeitschrift einzuholen, ein Konzept zu entwickeln und die erste Ausgabe von „Freizeitspaß“ zu produzieren. Journalistisch hält sich der Anspruch bei so einem Schnellschuss in Grenzen; aber der Kraftakt schien notwendig. Es gilt, die „Freizeit Revue“ mit ihren wöchentlich mehr als eine Million verkauften Exemplaren gegen eine neue Bauer-Zeitschrift, „Freizeitwoche“, zu verteidigen. Schließlich verdient die „Freizeit Revue“ nach „Focus“ und „Bunte“, aber noch vor der „Freundin“ und „Super Illu“ das meiste Geld aller 253 Burda-Zeitschriften.

Der Gewinn von Hubert Burda Media lag 2003 trotz eines um 7,9 Prozent auf zwei Milliarden Euro gestiegenen Umsatzes auf Vorjahresniveau. Wie hoch er ist, teilt Burda nicht mit – und muss es als inhabergeführtes Unternehmen auch nicht. Der in Profitcenter unterteilte Burda-Verlag lebt vor allem von seinen Zeitschriften, die 70,7 Prozent (1,08 Milliarden Euro) des Außenumsatzes erwirtschafteten, setzt aber zunehmend auf die mittlerweile profitablen Internetaktivitäten, auf Geschäfte mit Direktmarketing und Dienstleistungen für Dritte (Aboverwaltung, Anzeigenverkauf). Die breite Aufstellung sei der Grund, wieso Burda im Vergleich zu anderen Verlagen weniger von der konjunkturellen Krise betroffen sei, sagte Todenhöfer. So habe der Verlag in der Zeit nach dem 11.9.2001 und dem Einbruch des Anzeigengeschäfts mit jenen Titeln des Portfolios gepunktet, die ihr Geld vor allem über den Verkauf verdienen. Jetzt, da die Vertriebserlöse sinken, profitiere Burda von den Erlösen aus dem Direktmarketing. „Wenn das eine runtergeht, geht das andere hoch“, dank dieser ausbalancierten Struktur sei die Abhängigkeit vom Anzeigenmarkt mit 25 Prozent geringer als bei anderen Zeitschriftenhäusern.

Dennoch legte Burda 2003 bei den Brutto- Werbeumsätzen leicht zu – um ein halbes Prozent auf 530,6 Millionen Euro. Damit liegt Burda auf dem zweiten Platz hinter Marktführer Gruner + Jahr (618,6 Millionen Euro), der den Abstand im ersten Quartal 2004 weiter ausgebaut hat. G + J erwirtschaftete in den ersten drei Monaten 137,7 Millionen Euro, Burda 117,2 Millionen Euro.

In neue Objekte hat Burda im vergangenen Jahr 15,2 Millionen Euro investiert. Auch in diesem Jahr, in dem Burda einen Gewinn auf Vorjahresniveau erwirtschaften will, sind in Deutschland – neben dem erneuten Versuch, für „Bunte-TV“ einen (Privat-)Sender zu finden – vier bis fünf neue Titel geplant. Einer davon ist der in acht Stunden zusammengekloppte „Freizeitspaß“. Der Verdrängungswettbewerb zwischen Bauer und Burda nimmt auch wegen der juristischen Scharmützel geradezu bizarre Formen an. So startet Bauer jetzt eine Rätselzeitschrift und hat sie einfach auch „Freizeitspaß“ genannt. Jetzt ist Bauer selbst Opfer der Verwechslungsgefahr geworden: Wie sonst ist die Freudsche Fehlleistung zu erklären, dass der Bauer-Verlag versehentlich meldete, Chefredakteur von „Freizeitspaß“ sei Hartmut Volz. Hartmut Volz ist der Chef der Burda-Entwicklungsredaktion. Der Mitarbeiter von Bauer heißt Klaus Volz.

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