Bälle auf dem Bildschirm : Wie guckst du?

Neue Techniken, Anbieter, Allianzen: Wie um die TV-Rechte für die Fußball-Bundesliga gepokert wird.

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Mit Maus und Mann. Noch ist Google TV als Verbreitungskanal für die Bundesliga Zukunftsmusik. Es muss aber nicht immer „Sportschau“ sein. Fotos: dpa, Screenshot/Montage:Repro
Mit Maus und Mann. Noch ist Google TV als Verbreitungskanal für die Bundesliga Zukunftsmusik. Es muss aber nicht immer...

Fußball im frei empfangbaren Fernsehen – wie wichtig das Thema ist, zeigen Woche für Woche die guten Quoten der „Sportschau“ am Samstag, aber auch ein aktuelles Urteil von EU–Richtern in Luxemburg. Demnach seien Schutzlisten von EU-Staaten für WM- und EM-Spiele im Free-TV rechtens. Welt- und Europameisterschaften im Fußball sollen aufgrund ihrer besonderen gesellschaftlichen Bedeutung auch zukünftig nicht im Bezahlfernsehen oder als Zusammenfassung im Spätprogramm von ARD oder ZDF verschwinden. So eine Art Schutzliste hätte die ARD-„Sportschau“ mit ihren exklusiven Zusammenfassungen der Bundesligaspiele vom Nachmittag sicher auch gerne. Ebenso wie die fünf Millionen Fans, die jeden Samstag gegen halb sieben das Erste einschalten. Bis zum Ende der übernächsten Bundesliga-Saison, also bis Mitte 2013, wird das noch so sein. Nur, was kommt dann? Neue Techniken, neue Anbieter und Allianzen machen das Rennen um die Fernseh- und Internetrechte für die Fußball-Bundesliga spannender denn je.

Ab Ende dieses und in der ersten Hälfte des kommenden Jahres läuft die neue Vergabe der Deutschen Fußball-Liga (DFL) für die Vergabe der Medienrechte ab der Saison 2013/2014. Die Ausschreibung startet diesmal so früh wie noch nie. Auch wenn sich die Beteiligten – DFL, Fernsehsender, Telekommunikationsanbieter – noch nicht in die Karten gucken lassen, eines ist sicher: Die Bundesliga-Vereine erwarten mehr Geld aus ihrer medialen Vermarktung. Derzeit wandern jährlich 420 Millionen Euro vonseiten der lizenzierten Bilderanbieter (ARD, ZDF, Sky, Telekom und Sport 1) auf das Konto der DFL, beziehungsweise der 36 Profi-Vereine.

Vor allem Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender von Bayern München, wird nicht müde zu betonen, dass ihm das viel zu wenig ist. Er hatte jüngst eine Verdoppelung der Fernseheinnahmen verlangt, mit dem Verweis auf andere europäische Länder wie England, wo Sky rund 600 Millionen Euro an die Premier League zahlt, mehr als das Doppelte im Vergleich zu Deutschland. So eine Summe zu erzielen, sei hierzulande undenkbar, sagen Insider. Auch nicht, wenn neue Mitbewerber beim Rechtepoker einsteigen. Gemeint ist das Internet als Übertragungsweg für Fernsehprogramme und Filme (IPTV), im Gegensatz zu klassischem Rundfunk, Kabel oder Satellit. Laut Prognosen sollen im Jahr 2015 61 Prozent der deutschen Haushalte Internetfernsehen haben, 58 Prozent über einen Tablet-PC verfügen sowie 51 Prozent der Deutschen über ein Smartphone. Immer wieder hört man, dass Anbieter wie Apple, Yahoo oder vor allem Google mit dem weltweit größten Onlinevideoportal Youtube den Rechtemarkt aufmischen könnten. So überträgt die Google-Tochter Youtube bereits die Spiele der indischen Cricket Premier League live. Das Internetunternehmen Yahoo hat sich Rechte an der Premier League gesichert.

Sicher wird es so schnell noch kein Bundesligaspiel live bei Youtube zu sehen geben. Aber eine Highlight-Zusammenfassung der Samstagspartien beispielsweise ab Sonntagmorgen, in Sublizenzierung, halten Experten für denkbar, auch wenn Google Deutschland dazu zum jetzigen Zeitpunkt keine Stellung nehmen wollte.

DFL-Sprecher Christian Seifert rechnet in Sachen Bundesliga eher mit einer Renaissance der klassischen TV-Anbieter. Zu den konkreten Erwartungen hinsichtlich der nächsten Rechtevergabe möchte sich bei der DFL derzeit niemand äußern. Seifert zeigte sich neulich im Rahmen einer Sponsorenmesse in Düsseldorf skeptisch, dass beim Bieterwettstreit die sogenannten Neuen Player eine Rolle spielen werden. „Wir sind an einer Grenze, wo keiner definieren kann, wie es weitergeht“, sagte Seifert mit Blick auf Veränderungen in der Medienwelt, in der sich Infrastrukturanbieter und Content-Lieferanten munter trennen oder zusammenfinden.

Ein aktuelles Beispiel für neue Allianzen aus dieser Woche: Der von Verlusten geplagte Bezahlsender Sky Deutschland und die Telekom arbeiten zusammen. Der Bonner Konzern will die Angebote des Münchner Pay-TV-Senders über seine lokalen Kabelnetze verbreiten. Das Pikante dabei ist, dass sich Sky – mit der via Kabel und Satellit verbreiteten Sky Bundesliga – und die Telekom – mit ihrem via Internet zu empfangenden Angebot Entertain / Liga Total! – im Grunde als Konkurrenten gegenüberstehen und gegenseitig Kunden wegnehmen.

Und nun dieser Deal. Der Gewinner dabei dürfte nicht die Deutsche Telekom, sondern Sky Deutschland sein. Wenn Sky via Telekom noch mehr Kunden mit seinem Angebot erreichen kann, wozu braucht es da LigaTotal samt dazugehörigem Entertain-Abo und IPTV? Ein Telekom-Sprecher versicherte dem Tagesspiegel, dass die Vereinbarung mit Sky nicht der Anfang vom Ende der von Johannes B. Kerner präsentierten Bundesliga-Show sei. Insider vermuten jedoch, die Telekom werde noch ein letztes Mal bei der Vergabe der Internetübertragungsrechte mitbieten und sich dann aus dem Geschäft zurückziehen.

Gut möglich, dass sich Sky mit einer gut gefüllten Kriegskasse bei der demnächst startenden DFL-Ausschreibung auch auf die Internetübertragungsrechte stürzt. Dass die Bundesliga im Pay-TV bei Sky – mit Rupert Murdoch im Hintergrund – am besten aufgehoben ist, stellt, bei aller Kritik an den schwächelnden Abonnentenzahlen des Münchner Bezahlsenders (derzeit: 2,65 Millionen), niemand ernsthaft infrage.

Spannender ist und bleibt die Situation im frei empfangbaren Fernsehen. Bei der neuen Rechteausschreibung muss die DFL die knifflige Aufgabe lösen, den Hauptgeldgeber Sky durch eine Stärkung der Exklusivität bei Laune zu halten und gleichzeitig Millionen Fußballfans und Sponsoren nicht zu verprellen, die eine zeitnahe Zusammenfassung der Spiele in der „Sportschau“ am Samstag erwarten. Das Kartellamt hatte 2008 einen DFL-Vorschlag abgelehnt, wonach es eine halbstündige Zusammenfassung der Höhepunkte um 19 Uhr 30 im digitalen TV statt in der ausführlichen „Sportschau“ ab 18 Uhr geben sollte. In diesen Wochen steht die DFL wieder in Gesprächen mit dem Kartellamt, um unter anderem auszuloten, inwiefern eine spätere Zusammenfassung im Free-TV am Samstagabend doch möglich ist. Es ginge nicht darum, die „Sportschau“ abzuschaffen, sondern mehr Wettbewerb zu schaffen, ist aus Kreisen der Liga zu hören.

Aber wer sagt eigentlich, dass die „Sportschau“ Bundesliga im Free-TV übertragen muss? Die Bundesliga sei grundsätzlich immer interessant für RTL, heißt es beim Kölner Privatsender.

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