Medien : Bagdad offline

Internet-Verbindung zum staatlichen Provider unterbrochen

Kurt Sagatz

Noch am Mittwochabend grüßte Saddam Hussein von der Homepage des irakischen Staatspräsidenten. Am Donnerstagmorgen jedoch waren die Verbindungen zur staatlichen Internetagentur Uruklink unterbrochen. Seither ist Bagdad offline. Weder Hussein noch das irakische Außenministerium sind seither über das World Wide Web zu erreichen. Einzig die Internetseite des irakischen UN-Botschafters kann noch aufgerufen werden. Doch deren Server befindet sich in den Vereinigten Staaten.

Da helfen alle Hochgeschwindigkeitsleitungen nichts: Unabhängige Informationen aus dem Irak sind seit Beginn des Krieges über das Internet nicht ohne weiteres zu erhalten. Auch die Webcam, die von spanischen Friedensaktivisten im Stadtviertel Mansur in Bagdad installiert worden war, hat ihre Arbeit eingestellt.

Das letzte Bild, das auf den 19. März, 10 Uhr datiert ist, zeigt eine in schwarze Kleidung gehüllte Frau und einen Jungen, die an einem Lebensmittelstand offenbar letzte Einkäufe tätigen. Seitdem steht das Bild auf www.webcaminiraq.org still. Wie es jetzt in Mansur aussieht, niemand weiß es.

Aufgebaut worden war die Webcam erst in der letzten Woche. Die Friedensaktivisten wollten damit zeigen, „dass die Iraker (…) nicht die unsichtbaren Opfer eines neuen virtuellen Krieges“ sind. Rund um die Uhr sollte die Webcam ihre Bilder senden, um sie auf die Hauswände bedeutender Gebäude in aller Welt zu projizieren.

Informationen aus dem Irak über das Netz zu besorgen, war bereits vor Kriegsbeginn nahezu unmöglich. Ohnehin war das Internet im Irak nur eine Einbahnstraße, denn Hussein hatte bereits vor Wochen die meisten Internet-Leitungen in sein Land gekappt, weil irakische Surfer mit Massen-E-Mails dazu aufgerufen wurden, sich gegen den Diktator aufzulehnen. Kurt Sagatz

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