Barack Obama : Der erste "e"-Präsident der USA

Wie Barack Obama die neuen Medien zur Kommunikation mit der Nation nutzt – bis auf den Blackberry.

Christoph von Marschall
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Wird Barack Obama der erste "e-President": ein Staatsoberhaupt, das die neuen Medien in ungewohnter Weise für die Kommunikation mit der Nation nutzt? Nach seinem Wahlsieg hat er die gute alte Radioansprache modernisiert. Seit der großen Depression in den 1930er Jahren wendet sich der Präsident in dem damals neuen Medium jeden Samstag an die Nation. Franklin Roosevelt hat damit begonnen. George W. Bush ließ den Text bereits am Freitag per E-Mail an die Medien verschicken. Obama lässt seine Ansprachen seit dem 15. November parallel zum Radio auf Video aufnehmen und im Internet veröffentlichen.

Mögliche "e"-Strategien kann man aus seinem Wahlkampf ableiten. Obama war der erste wahre "e"-Kandidat. Kein Präsidentschaftsbewerber vor ihm nutzte E-Mail, SMS und die Videobörse Youtube umfassender und erfolgreicher als er. Sein Team hat den Wahlkampf revolutioniert. Obama warb, zum Beispiel, den Gründer der Kontakt-Website Facebook, Chris Hughes, an. Im Laufe des Jahres 2008 trugen sich Woche für Woche Zehntausende als "Freunde" Obamas ein. Im Sommer waren es über eine Million. Heute hat der "President elect" auf Facebook 3,67 Millionen eingetragene Unterstützer. Er kann dort politische Botschaften an sie verschicken oder sie um Spenden für die Inaugurationsfeier bitten.

Von Anfang an hatte sein Wahlkampfmanager David Plouffe auf das Internet und Youtube gesetzt. Systematisch sammelten Obamas Helfer E-Mail-Adressen potenzieller Unterstützer und versorgten sie regelmäßig mit kleinen menschlichen Geschichten über Barack und seine Frau Michelle. Erst nach der fünften oder sechsten E-Mail-Ansprache folgte die Bitte um Unterstützung. Am Ende des Wahlkampfs hatten mehr als 3,5 Millionen Menschen per Internet Geld für die Kampagne gespendet, im Schnitt um die hundert Dollar. Nie zuvor hatte ein Kandidat so viele finanzielle Unterstützer. In der Summe erhielt Obama rund 750 Millionen Dollar Spenden, den Großteil davon im Internet, auch das ein neuer Rekord.

Der Einsatz von SMS war neu

Auf Yotube war Obama der unbestrittene König. Im Frühjahr 2007 schlug der etwas anzügliche Videosong "Crush on Obama" (Verknallt in Obama) dort um Längen Hillary Clintons Versuche, die Youtube-Nutzer über ihre Wahlkampfhymne abstimmen zu lassen. Obamas Rede zur Rassenfrage kurz vor der Vorwahl in Pennsylvania, mit der er auf die Kritik an den Hasspredigten seines schwarzen Pfarrers Jeremiah Wright reagierte, wurde millionenfach angeklickt. Wann ist Ähnliches je Politikerreden in anderen Ländern widerfahren? Der Musiker will.i.am verarbeitete den Text musikalisch; auch dieses Video schauten sich Millionen im Netz an. Die Website barackobama.com wurde ebenfalls zu einem Kommunikationsforum. Wer seine Postleitzahl eingab, erfuhr, welche Veranstaltungen in der Umgebung geplant sind, welche Nachbarn Obama-Fans sind - es folgte die Einladung, eine Hausparty für den Kandidaten zu veranstalten.

Eine Neuerung war der Einsatz von SMS. Die per Handy versandten kurzen Texte sind in den USA nicht ganz so verbreitet wie in Deutschland, das liegt wohl an der Gebührenstruktur. Obama nutzte den Massenandrang bei seinen Auftritten zum Sammeln von Handynummern. Auch die Verkündung des Vizekandidaten im August half ihm, Kontaktdaten zu bekommen. Jedem, der seine Handynummer (oder E-Mail-Adresse) hinterlegte, versprach Obama, er werde noch vor den Medien erfahren, wer Vizekandidat wird. Beim Nominierungsparteitag in Denver forderte er die 76 000 im Stadion auf, eine SMS an die Kampagne zu schicken - erneut erhielten seine Mitarbeiter Kontaktdaten, an die sie Werbung und Spendenbitten versenden konnten.

Anders als in Deutschland ist es in den USA nicht verboten, Datenbanken mit Kontaktinformationen anzulegen, die Betroffenen haben sie freiwillig herausgegeben. Der Präsident Obama kann sie nutzen, um für seine Politik zu werben.

Erstmals ein Laptop im Oval Office

Ungewiss ist die Zukunft seines Blackberry, Obama und seine engste Umgebung gelten als "blackberry-süchtig". Aus zwei Gründen, so heißt es, werde sich Präsident Obama von seinem Gerät trennen müssen. Erstens wegen Sicherheitsbedenken. Die mobile Kommunikation lasse sich knacken. Das Risiko, dass E-Mails mit Dienstgeheimnissen abgefangen werden, sei zu groß. Zweitens schreibt der "Presidential Records Act" vor, die gesamte Korrespondenz eines Präsidenten zu archivieren - das gelte auch für elektronischen Austausch.

George W. Bush trennte sich vor acht Jahren von seinem Blackberry. Zuvor verschickte er eine Abschiedsnotiz von seiner Adresse G94B@aol.com an Freunde: Er beende den Austausch im Cyberspace, "weil ich nicht möchte, dass Leute, die auf Ärger aus sind, Zugang zu meiner Privatsphäre erhalten".

Erstmals wird unter Obama ein Laptop auf dem Schreibtisch im Oval Office stehen: ein Symbol für den "e-President".

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